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Aktion am 1. Mai vor dem Aalener Rathaus


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Solidarität zeigen:

Die Aalener Künstlerin Ines Tartler begann im letzten Jahr Wachsreliefs zu gießen, in denen sie während des Abkühlens Erschütterungen sichtbar werden läßt. In einer weiteren Wachsserie enstehen Einschnitte.


Auf ihrer Webseite könnt ihr euch diese ‚Erschütterungen‘ und ‚Einschnitte‘ ansehen, verbreiten und erwerben

oder auch einen Atelierbesuch mit der Künstlerin vereinbaren.

Charles Eisenstein

Created with Sketch.

Die Krönung

April 2020

 Übersetzung von Eike Richter, Michelle Warkentin, Stephan Pfannschmidt, Daniel Germer und Nikola Winter. Es gibt eine englische Version dieses Aufsatzes.


Unsere Normalität ist jahrelang überdehnt worden. Wie ein Seil, das fester und immer fester angezogen wird, bis es, zum Zerreißen gespannt, nur darauf wartet, dass der schwarze Schwan[1] kommt und es mit seinem Schnabel durchknipst. Jetzt, wo das Seil entzwei ist, werden wir es einfach wieder zusammenknoten, oder sollen wir seine baumelnden Enden noch weiter aufdröseln und sehen, ob wir mit ihnen nicht etwas neues weben können?

COVID-19 zeigt uns, dass ein unglaublich schneller Wandel möglich ist, wenn die Menschheit in einer gemeinsamen Sache vereint ist. Keines der Probleme unserer Welt ist technisch schwer zu lösen; sie rühren von der Uneinigkeit der Menschen her. Wenn die Menschheit kohärent handelt, sind ihre kreativen Kräfte grenzenlos. Vor wenigen Monaten wäre eine weltweite Unterbrechung der kommerziellen Luftfahrt undenkbar gewesen, ebenso die radikalen Veränderungen in unserem gesellschaftlichen Verhalten, in der Wirtschaft und in der Rolle, die die Regierung in unserem Leben spielt. COVID-19 demonstriert die Macht unseres kollektiven Willens, wenn wir uns darauf einigen können, was wichtig ist. Was könnten wir mit einer solchen Kohärenz noch alles erreichen? Was möchten wir erreichen, und welche Welt wollen wir erschaffen? Das ist immer die erste Frage, die auftaucht, nachdem man sich der eigenen Macht bewusst geworden ist.

COVID-19 ist wie der Aufenthalt in einer Entzugsklinik, durch den ein suchtkranker Mensch aus seiner Alltagsnormalität gerissen wird. Indem eine Gewohnheit unterbrochen wird, wird sie sichtbar gemacht. Damit wird sie von einem Zwang zu einer Entscheidung. Wenn die Krise abflaut, haben wir vielleicht die Gelegenheit uns zu fragen, ob wir in die alte Normalität zurück wollen, oder ob wir während dieser Unterbrechung unserer Routinen Dinge erlebt haben, die wir in die Zukunft mitnehmen wollen. Wir werden uns vielleicht fragen, nachdem so viele ihre Jobs verloren haben, ob wirklich alle davon das waren, was die Welt am meisten braucht oder ob unsere Arbeitskraft und Kreativität nicht anderswo besser angebracht wäre? Wir werden uns vielleicht fragen, nachdem wir eine Weile ohne sie ausgekommen sein werden, ob wir wirklich so viel Luftverkehr, Disneyland-Urlaube oder Handelsausstellungen brauchen. Welche Bereiche der Wirtschaft möchten wir wiederherstellen, und von welchen wollen wir uns bewusst verabschieden? Und auf einer finstereren Ebene, für welche der Dinge, die uns jetzt gerade weggenommen werden – bürgerliche Freiheiten, Versammlungsfreiheit, die Souveränität über unseren eigenen Körper, persönliche Treffen, Umarmungen, Handschläge und öffentliches Leben – kann es notwendig werden, dass wir mit unserem bewussten politischen oder persönlichen Willen dafür werden einstehen müssen, wenn wir sie zurückhaben wollen?

Die meiste Zeit meines Lebens hatte ich den Eindruck, dass sich die Menschheit einem Scheideweg nähert. Immer hat die Krise, der Kollaps, die Unterbrechung unmittelbar hinter der nächsten Wegbiegung gelauert, aber sie kam und kam nicht. Stell dir vor, du gehst einen Weg entlang und siehst sie vor dir, du siehst die große Kreuzung. Gleich hinter dem Hügel, hinter der nächsten Kurve, hinter dem Wald. Du erreichst die Hügelkuppe und siehst, dass du dich geirrt hast, es war ein Trugbild, sie ist doch weiter entfernt als du dachtest. Du gehst weiter. Manchmal siehst du sie, manchmal verschwindet sie aus deinem Blickfeld, und es scheint, also zöge sich der Weg ewig hin. Vielleicht gibt es gar keine Kreuzung? Nein, da ist sie wieder! Immer ist sie fast da. Nie ist sie da.

Jetzt biegen wir um die Kurve, und - da ist sie! Wir bleiben verdattert stehen, ungläubig, dass es jetzt passiert, ungläubig, dass wir nach so vielen Jahren, die wir auf den Weg unserer Vorfahren beschränkt waren, endlich eine Wahl haben. Wir stehen wie angewurzelt und staunen über diese nie dagewesene Situation. Hunderte Pfade tun sich vor uns auf, streben in alle Himmelsrichtungen. Manche führen in die gleiche Richtung, in die wir schon unterwegs waren. Manche führen in die Hölle auf Erden. Und manche führen in eine Welt, die heiler und schöner ist, als wir uns in unseren kühnsten Träumen ausmalen konnten.

Ich schreibe diese Worte, weil ich hier mit Dir stehe – verdutzt, ein bisschen ängstlich vielleicht, aber auch mit dem Gefühl einer neuen Möglichkeit – an diesem Punkt, wo sich die Wege scheiden. Lass uns gemeinsam schauen, wohin einige von ihnen führen.

* * *

Folgende Geschichte hat mir eine Freundin letzte Woche erzählt. Sie war in einem Lebensmittelladen und sah eine Frau schluchzend in einem Gang stehen. Alle Abstandsregeln missachtend, ging sie zu der Frau und umarmte sie. „Danke,“ sagte die Frau, „das ist das erste Mal in zehn Tagen, dass mich jemand umarmt hat.“

Ein paar Wochen ohne Umarmungen zu leben mag ein kleiner Preis dafür sein, dass eine Epidemie eingedämmt wird, die Millionen das Leben kosten könnte. Es gibt ein gutes Argument für das Einhalten des Sicherheitsabstands in der nächsten Zeit: um einen plötzlichen Anstieg von COVID-19 Fällen zu verhindern, der das Gesundheitssystem überlastet. Ich würde dieses Argument aber gern in einen größeren Zusammenhang stellen, vor allem, wenn es um einen längeren Zeitraum geht. Bevor wir das Abstandhalten zu einer neuen Norm machen, nach der sich die Gesellschaft orientiert, lasst uns bedenken, was für eine Entscheidung wir hier treffen und warum.

Das Gleiche gilt auch für andere Veränderungen, die rund um die Coronavirus-Epidemie stattfinden. Manche Stimmen weisen darauf hin, wie gelegen diese Maßnahmen einer Agenda der totalitären Kontrolle kommen. Eine verängstigte Öffentlichkeit akzeptiert Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten, die andernfalls schwer zu rechtfertigen wären, etwa das Verfolgen individueller Bewegungsmuster rund um die Uhr, medizinische Zwangsbehandlung, unfreiwillige Quarantäne, Reisebeschränkungen und Einschränkungen der Versammlungsfreiheit, Zensur dessen, was die Autoritäten als Desinformation einstufen, Aussetzen der juristischen Möglichkeit zur Freilassung von Personen aus rechtswidriger Haft (habeas corpus) und Militärkontrollen der Zivilbevölkerung. Viele davon standen schon vor COVID-19 im Raum, jetzt wurden sie geradezu unwiderstehlich. Das Gleiche gilt für die Automatisierung im Handel, den Trend zum Fernsehen statt der persönlichen Teilnahme an Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen, die Verlagerung des öffentlichen Lebens in private Räume, die Zunahme von Online-Bildungsangeboten und Online-Handel, und die zunehmende Verschiebung von Arbeit und Freizeitaktivitäten auf Bildschirme. COVID-19 beschleunigt bestehende politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Trends.

Während man all diese Maßnahmen kurzfristig damit rechtfertigen kann, dass sie zur Abflachung der Kurve (der epidemiologischen Wachstumskurve) beitragen, ist allenthalben die Rede von einer „neuen Normalität“, was bedeuten könnte, dass die Veränderungen keineswegs nur vorübergehend gedacht sind. Weil die Bedrohung durch eine ansteckende Krankheit – genau wie die Bedrohung durch den Terror – nie aufhört, können sich Kontrollmaßnahmen leicht zu Dauermaßnahmen auswachsen. Wenn wir also sowieso schon in diese Richtung gehen, muss die jetzige Rechtfertigung der Maßnahmen Teil einer tieferen Strömung sein. Ich werde zwei Triebkräfte dieser Strömung analysieren: den Kontrollreflex und den Krieg gegen den Tod. Vor diesem Hintergrund lässt sich eine initiatorische Gelegenheit erkennen, die sich schon jetzt angesichts der Solidarität, des Mitgefühls und der gegenseitigen Fürsorge abzeichnet, die das Coronavirus in uns geweckt hat.

Der Kontrollreflex

In dem Moment, da ich dies schreibe, sagen die offiziellen Statistiken, dass etwa 25.000 Menschen an COVID-19 gestorben sind. (Nachtrag: Das war am 25. März. Jetzt am 2. April sind es 50.000. Ich werde die Zahl nicht weiter nachkorrigieren. Sie wird sowieso wieder veraltet sein, wenn die meisten Menschen das hier lesen.) Und wenn dann alles vorüber ist, könnte die Zahl der Toten zehnmal oder hundertmal oder, wenn die alarmierendsten Schätzungen richtig liegen, sogar tausendmal höher liegen. Jeder einzelne Mensch hat seine Lieben, Familie und Freunde. Unser Mitgefühl und Gewissen rufen uns, alles in unserer Macht stehende zu tun, um eine unnötige Tragödie zu vermeiden. Für mich ist das sehr persönlich: meine eigene, unendlich geliebte aber gebrechliche Mutter ist besonders gefährdet durch eine Krankheit, die hauptsächlich Alte und Schwache tötet.

Wie werden die endgültigen Zahlen aussehen? Diese Frage ist zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich zu beantworten. Frühe Berichte waren alarmierend; für Wochen war die offizielle Zahl aus Wuhan, die endlos durch die Medien zirkulierte, schockierende 3,4 Prozent. Dies, gepaart mit seiner hoch ansteckenden Natur, deutete auf einige zehn Millionen oder gar bis zu hundert Millionen Tote weltweit hin. In letzter Zeit sind diese Schätzungen stark zurückgegangen, als sich abzeichnete, dass die meisten Fälle mild oder asymptomatisch verlaufen. Da Testungen hauptsächlich an ernstlich Kranken durchgeführt worden sind, ergab sich eine künstlich erhöhte Sterberate. In Südkorea, wo hunderttausende Menschen mit milden Symptomen getestet wurden, beträgt die Mortalität etwa 1 Prozent. In Deutschland, wo ebenfalls viele milde Verläufe getestet wurden, lag die Mortalität bei 0,4 Prozent. Ein aktueller Aufsatz in der Zeitschrift Science behauptet, dass 86 Prozent aller Infektionen nicht dokumentiert seien, was auf eine viel geringere Mortalität hindeuten würde, als die gegenwärtige Sterblichkeitsrate vermuten ließe.

Die Geschichte des Kreuzfahrtschiffs Diamond Princess stützt diese Sicht. Von den 3711 Menschen an Bord wurden etwa 20 Prozent positiv auf das Virus getestet; weniger als die Hälfte von ihnen hatten Symptome, und 8 sind gestorben. Ein Kreuzfahrtschiff ist das perfekte Milieu für Ansteckung, und es gab reichlich Zeit für die Ausbreitung des Virus an Bord, bevor irgendwer etwas dagegen unternommen hatte und doch wurde nur ein Fünftel infiziert. Darüber hinaus war die Altersverteilung (wie sehr oft auf Kreuzfahrtschiffen) stark in Richtung höheren Alters verzerrt: Fast ein Drittel der Passagiere war über 70 und mehr als die Hälfte über 60. Eine Forschergruppe schloss aus der großen Zahl asymptomatischer Fälle, dass die tatsächliche Sterblichkeitsrate in China um die 0,5 Prozent liegen müsse. Das wäre noch immer etwa fünfmal höher als bei der Grippe. Aufgrund dieser Informationen (und da Afrika, Süd- und Südostasien eine deutlich jüngere Demographie aufweist), vermute ich, dass es in den USA etwa 200.000- 300.000 Tote geben wird - vielleicht mehr, wenn das Gesundheitssystem überlastet wird und weniger, wenn sich die Infektionen über einen längeren Zeitraum verteilen - und drei Millionen weltweit. Das sind ernste Zahlen. Seit der Hong-Kong-Grippe 1968/69 hat die Welt so etwas nicht mehr erlebt.

Meine Schätzung könnte leicht um eine ganze Größenordnung daneben liegen. Jeden Tag berichten die Medien die Gesamtzahl der COVID-19-Fälle, aber niemand kennt die tatsächliche Zahl, weil nur ein geringer Anteil der Menschen getestet worden ist. Wenn schon zehn Millionen Menschen das Virus asymptomatisch hätten, würden wir es nicht einmal wissen. Komplizierter wird die Sache dadurch, dass bei den existierenden Tests hohe Raten an falsch positiven Ergebnissen auftreten, vielleicht sogar bis zu 80 Prozent. (Weitere alarmierende Unsicherheiten hinsichtlich der Testgenauigkeit findet man hier.) Lasst es mich wiederholen: Niemand weiß, was wirklich vor sich geht, und da schließe ich mich ein. Rufen wir uns ins Bewusstsein, dass es zwei widersprüchliche Tendenzen menschlicher Krisenreaktion gibt. Die erste ist die Tendenz zur sich selbst verstärkenden Hysterie. Daten, die der Furcht nicht in die Hände spielen, werden ignoriert, und so erschafft die Hysterie die Welt nach ihrem eigenen Abbild. Die zweite Tendenz ist die zur Leugnung, zur irrationalen Ablehnung von Informationen, welche die Normalität und Behaglichkeit verstören könnten. So fragt auch Daniel Schmachtenberger: Woher weißt du, dass das, was du glaubst, wahr ist?

Trotz dieser Unsicherheit wage ich eine Vorhersage: Die Krise wird so ausgehen, dass wir das niemals erfahren werden. Wenn die endgültige Todesrate, welche selbst strittig sein wird, niedriger ausfällt als befürchtet, werden manche sagen, dass die Kontrollmaßnahmen gewirkt haben. Andere werden sagen, dass die Krankheit nicht so gefährlich war, wie man uns weismachen wollte.

Für mich ist das erstaunlichste Rätsel, warum derzeit in China keine neuen Fälle hinzuzukommen scheinen. Die Regierung hatte ihre Ausgangssperren erst deutlich nach dem Zeitpunkt angeordnet, als sich das Virus schon etabliert hatte. Während des chinesischen Neujahrsfestes, als alle Flugzeuge, Busse und Bahnen gerammelt voll waren mit Menschen, die quer durch das Land fahren, hätte es sich doch extrem ausbreiten müssen. Was geht hier vor? Und noch einmal, ich weiß es nicht, genauso wenig wie du.

Ob nun die abschließende Zahl der Toten 50.000, 500.000 oder 5 Millionen sein wird, lasst uns nun auf ein paar andere Zahlen schauen, um sie in einem anderen Lichte zu sehen. Ich will damit NICHT sagen, dass COVID schon nicht so schlimm ist, und dass wir nichts unternehmen sollten. Hab ein wenig Geduld. Letztes Jahr starben laut Welternährungsorganisation 5 Millionen Kinder weltweit an Unterernährung (von den 162 Millionen durch Hunger entwicklungsgehemmten und 51 Millionen durch Hunger dahinsiechenden Kindern). Das sind zweihundertmal mehr Menschen, als bisher an COVID-19 gestorben sind, und doch hat bisher keine Regierung den Notstand erklärt oder uns aufgefordert, unsere Lebensgewohnheiten radikal zu verändern, um diese Kinder zu retten. Auch sehen wir kein vergleichbares Ausmaß an Besorgnis und Maßnahmen im Zusammenhang mit Selbstmord - die bloße Spitze des Eisbergs der Verzweiflung und Depression - durch den jährlich über eine Million Menschen weltweit sterben und 50.000 in den USA. Oder die jährlich 70.000 Drogentoten in den USA, die Epidemie der Autoimmunkrankheiten, die in den USA 23,5 Millionen (Zahlen der amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitute, NIH) bis 50 Millionen (amerikanische Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen, AARDA) Menschen betrifft, oder Adipositas, die über 100 Millionen Menschen betrifft. Oder warum, wo wir schon einmal dabei sind, verfallen wir nicht alle in helle Aufregung, wenn es um die Vermeidung der atomaren Vernichtung oder des ökologischen Kollaps geht, sondern treffen ganz im Gegenteil Entscheidungen, die genau diese Gefahren nur noch vergrößern?

Und, bitte, der Punkt hier ist nicht, zu sagen, wir haben unser Verhalten nicht geändert, um Kinder vor dem Hungertod zu bewahren, also sollen wir es auch nicht für COVID ändern. Ganz im Gegenteil: Wenn wir unser Verhalten wegen COVID-19 so radikal verändern können, dann können wir es für diese anderen Zustände genauso tun. Wir sollten uns fragen, warum wir in der Lage sind, unseren kollektiven Willen zu bündeln, um dieses Virus einzudämmen, nicht aber für die anderen gravierenden Bedrohungen der Menschheit. Warum war die Gesellschaft, zumindest bis jetzt, so verfangen in ihrer vorgegebenen Marschrichtung?

Die Antwort ist aufschlussreich. Angesichts von Welthunger, Suchtproblematik, Autoimmunkrankheiten, Selbstmord und dem ökologischen Kollaps wissen wir als Gesellschaft einfach nicht, was zu tun ist. Unsere Patentrezepte zur Krisenbewältigung, allesamt Versionen von Kontrollmaßnahmen, sind nicht sehr effektiv darin, mit diesen Zuständen umzugehen. Jetzt kommt eine ansteckende Epidemie daher, und endlich können wir in Aktion treten. Es ist eine Krise, in der Kontrolle funktioniert: Quarantäne, Ausgangssperren, Isolierung, Händewaschen; Personen-Tracking, Informationskontrolle , Kontrolle unseres Körpers. Das macht COVID zu einem geeigneten Gefäß für unsere unterschwelligen Ängste, zu einem Blitzableiter für unser wachsendes Gefühl von Hilflosigkeit angesichts der Veränderungen, die die Welt überrennen. COVID-19 ist eine Bedrohung, von der wir wissen, wie ihr zu begegnen ist. Anders als so viele unserer anderen Ängste, bietet COVID-19 einen Plan.

Die etablierten Institutionen unserer Gesellschaft werden immer hilfloser, den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Wie sehr sie da eine Herausforderung willkommen heißen, welcher sie endlich entgegentreten können. Wie eifrig sie diese als die allergrößte Krise behandeln. Mit welcher Selbstverständlichkeit ihr Informations-Management die alarmierendsten Darstellungen auswählt. Wie leicht sich die Öffentlichkeit an der Panik beteiligt und die Bedrohung begrüßt, der die Autoritäten begegnen können, stellvertretend für die vielen anderen unaussprechlichen Bedrohungen, bei denen sie es nicht können.

Heutzutage lassen sich aber die meisten unserer Herausforderungen nicht mehr durch die Anwendung mechanistischer Machtinstrumente bewältigen.

Unsere Antibiotika wie auch die Chirurgie scheitern an einer wachsenden Gesundheitskrise von Autoimmunität, Sucht und Adipositas. Unsere Gewehre und Bomben, gebaut für den Sieg über Armeen, sind ungeeignet, Hass und Feindschaft in anderen Ländern zu beseitigen oder häusliche Gewalt zu verhindern. Unsere Polizei und unsere Gefängnisse können die Entstehungsbedingungen für Verbrechen nicht heilen. Unsere Pestizide können abgewirtschaftete Böden nicht wiederherstellen. COVID-19 weckt Erinnerungen an die guten alten Zeiten, als die Herausforderungen durch ansteckende Krankheiten mit moderner Medizin und Hygiene gemeistert wurden, als der Nationalsozialismus der Kriegsmaschinerie der Alliierten unterlag und als die Natur selbst, so schien es zumindest, dem Siegeszug moderner Technologien unterlag. Es weckt Erinnerungen an die Zeit, als unsere Waffen noch funktionierten und die Welt sich tatsächlich mit jedem neuen technologischen Fortschritt zu verbessern schien.

Welche Art von Problemen ist überhaupt durch Unterwerfung und Kontrolle zu lösen? Doch nur diejenige, die durch etwas von außen erzeugt wird, durch das Andere. Wenn die Ursache des Problems jedoch etwas uns Wohlvertrautes ist, wie etwa bei  Obdachlosigkeit oder sozialer Ungleichheit, Sucht oder Adipositas, dann gibt es nichts, gegen das man Krieg führen könnte. Wir können versuchen, einen Feind auszumachen, wir könnten zum Beispiel die Milliardäre, Vladimir Putin oder den Teufel beschuldigen, aber dann lassen wir Schlüsselinformation außer Acht, wie etwa die Grundbedingungen, die überhaupt erst erlauben, dass es mehr und mehr Milliardäre (und pathogene Viren) gibt.

Wenn es eine Sache gibt, die unsere Zivilisation gut kann, dann ist es, einen Feind zu bekämpfen. Wir lieben es, das zu tun, was wir gut können, was wiederum die Gültigkeit unserer Technologien, Systeme und unserer Weltanschauung bestätigt. Und so erschaffen wir uns selbst unsere Feinde, ordnen Probleme wie Verbrechen, Terrorismus und Krankheit in Kategorien des „Wir-gegen-Die" ein und mobilisieren unsere kollektiven Energien für alle Maßnahmen, die in dieses Schema passen. Deshalb fassen wir COVID-19 als einen Ruf zu den Waffen auf und reorganisieren die Gesellschaft wie für einen Krieg, während wir die Möglichkeit der nuklearen Vernichtung, des ökologischen Kollaps und 5 Millionen verhungernder Kinder als Normalität behandeln.

Das Verschwörungs-Narrativ

Da COVID-19 so viele Dinge auf der totalitären Wunschliste als gerechtfertigt erscheinen lässt, gibt es Menschen, die davon überzeugt sind, dass es sich um ein beabsichtigtes Machtspiel handelt. Es ist weder meine Absicht, diese Theorie zu befördern noch sie zu widerlegen, auch wenn ich einige Anmerkungen auf der Metaebene anbieten werde. Zuerst aber eine kurze Übersicht.

Diese Theorien (es gibt viele Varianten) sprechen vom Event 201 (gesponsert von der Gates-Stiftung, der CIA etc. im letzten Oktober) und einem Weißbuch der Rockefeller Foundation aus dem Jahr 2010, in dem ein Szenario namens „Lock Step“ beschrieben wird, beides Entwürfe einer autoritären Reaktion auf eine hypothetische Pandemie. In den Theorien wird festgestellt, dass die Infrastruktur, die Technologie und der gesetzliche Rahmen in Bezug auf das Kriegsrecht seit vielen Jahren vorbereitet werden. Dafür musste, so sagen sie, ein Weg gefunden werden, um die Öffentlichkeit dazu zu bringen, das zu akzeptieren, und jetzt ist es soweit. Unabhängig davon, ob die aktuellen Einschränkungen dauerhaft sind oder nicht, wird ein Präzedenzfall geschaffen um:

  • die Bewegungen aller Menschen jederzeit zu verfolgen (wegen des Coronavirus)
  • die Versammlungsfreiheit aufzuheben (wegen des Coronavirus)
  • die Zivilbevölkerung militärisch zu überwachen (wegen des Coronavirus)
  • außergerichtlichen, unbefristeten Arrest durchzusetzen (Quarantäne, wegen des Coronavirus)
  • das Bargeld zu verbieten (wegen des Coronavirus)
  • das Internet zu zensieren (um die Desinformation zu bekämpfen, wegen des Coronavirus)
  • Zwangsimpfungen und andere medizinische Behandlungen einzuführen, um die staatliche Herrschaft über unseren Körper durchzusetzen (wegen des Coronavirus)
  • die Einstufung aller Aktivitäten und Reiseziele in ausdrücklich erlaubte und ausdrücklich verbotene vorzunehmen (man darf das Haus aus dem einen Grund verlassen, aus dem anderen aber nicht) unter Beseitigung der nicht-kontrollierten, nicht-juristischen Grauzone. All das zusammengenommen ist der Inbegriff von Totalitarismus. Jetzt ist es aber notwendig, wegen, naja, dem Coronavirus.

Das ist pikanter Stoff für Verschwörungstheorien. Soweit ich weiß, könnte eine dieser Theorien zutreffen; allerdings könnte sich der gleiche Verlauf der Ereignisse aufgrund einer unbewussten systemischen Neigung zu ständig zunehmender Kontrolle entwickeln. Woher kommt diese Ausrichtung? Sie ist in die DNA der Zivilisation mit eingewoben. Seit Jahrtausenden hat die Menschheit (im Gegensatz zu kleinen, traditionellen Kulturen) Fortschritt als eine Sache der zunehmenden Kontrolle über die Welt verstanden: die Domestizierung der Wildnis, die Eroberung der Barbaren, das Beherrschen der Naturkräfte, die Gliederung der Gesellschaft nach Gesetz und Vernunft.

Im Aufwind der wissenschaftlichen Revolution setzte das Programm der Kontrolle mit dem „Fortschritt“ zu einem neuen Höhenflug an: Die Realität wurde in objektive Kategorien und Mengen sortiert und die Materie durch Technologie beherrscht. Zudem versprachen die Sozialwissenschaften die gleichen Mittel und Methoden anzuwenden, um dem Ehrgeiz (der auf Platon und Konfuzius zurückgeht) eine perfekte Gesellschaft aufzubauen, gerecht zu werden.

Diejenigen, die die Zivilisation verwalten, werden daher jede Gelegenheit begrüßen, um ihre Kontrolle zu verstärken, denn schließlich dient sie einer hochfliegenden Vision von der  Bestimmung der Menschheit: eine perfekt geordnete Welt, in der Krankheit, Kriminalität, Armut und vielleicht sogar das Leid an sich einfach „wegtechnisiert“ werden können. Es sind keine niederträchtigen Beweggründe nötig. Natürlich möchten sie alle Menschen im Auge behalten – zumal dadurch ja das Allgemeinwohl gewährleistet werden soll. Für sie beweist COVID-19, wie notwendig das ist. „Können wir uns demokratische Freiheiten angesichts des Coronavirus erlauben?“, fragen sie. „Müssen wir diese jetzt, aus der Notwendigkeit heraus, für unsere eigene Sicherheit opfern?“ Das ist ein bekanntes Lied, denn es hat in der Vergangenheit andere Krisen, wie den 11. September, begleitet.

Um eine gebräuchliche Metapher umzudichten stelle man sich einen Mann mit einem Hammer vor, der herumgeht und nach einem Grund sucht, ihn zu benutzen. Plötzlich sieht er einen hervorstehenden Nagel. Er hat schon lange nach einem Nagel gesucht, hat stattdessen auf Schrauben und Bolzen eingehauen, ohne viel zu erreichen. Er folgt einem  Weltbild, in dem Hämmer die besten Werkzeuge sind und die Welt eine bessere wird, wenn man Nägel damit einschlägt. Und hier ist ein Nagel! Wir könnten vermuten, dass er, aufgrund seines Eifers, den Nagel dort selbst platziert hat, aber es spielt eigentlich keine Rolle. Vielleicht ist es auch gar kein Nagel, der da herausragt, ist einem solchen aber ähnlich genug, um auf ihn einzuhämmern. Wenn das Werkzeug zur Verfügung steht, wird sich eine Gelegenheit ergeben, um es zu benutzen.

Und, so möchte ich hier für diejenigen anfügen, die dazu neigen, den Machthabern zu misstrauen, dass es  sich diesmal vielleicht tatsächlich um einen Nagel handelt. In diesem Fall ist der Hammer das richtige Werkzeug – und das Prinzip Hammer wird gestärkt aus der Krise hervorgehen, bereit auf die Schraube, den Knopf, die Klammer und den Riss einzudreschen.

Wie dem auch sei, bei dem Problem mit dem wir es hier zu tun haben, geht es um viel mehr als darum einer üblen Seilschaft von Illuminaten das Handwerk zu legen. Selbst wenn sie wirklich existieren, würde der gleiche Trend auch ohne sie fortbestehen, weil unsere Zivilisation darauf ausgerichtet ist, oder es würden neue Illuminaten auftauchen, um die Funktionen der alten zu übernehmen.

Richtig oder falsch, die Vorstellung, dass die Epidemie eine monströse Verschwörung ist, die von Verbrechern an der Öffentlichkeit verübt wurde, ist nicht so weit von der „Finde-den- Erreger“- Mentalität entfernt. Es ist eine Kreuzzugs-Mentalität, eine Kriegsmentalität. Sie findet die Ursache einer soziopolitischen Krankheit in einem Pathogen, gegen das wir dann kämpfen können, in einem Täter, der abgespalten von uns ist. Dabei besteht die Gefahr, dass die Bedingungen ignoriert werden, welche die Gesellschaft zu einem fruchtbaren Boden für die Verschwörung machen. Ob dieser Boden nun absichtlich oder durch den Wind gesät wurde, ist für mich zweitrangig.

Was ich als nächstes sagen werde, ist relevant, egal ob  SARS-CoV2, nun eine gentechnisch hergestellte Biowaffe ist, in Zusammenhang mit der Einführung von 5G steht, dazu benutzt wird, um „Disclosure“[2] zu verhindern, ein Trojanisches Pferd für die totalitäre Weltregierung ist, tödlicher ist, als uns gesagt wird, weniger tödlich, als uns gesagt wird, in einem Biolabor in Wuhan erzeugt wurde, in Fort Detrick entstanden ist oder genau das ist, was uns von der CDC [amerikanische Gesundheitsbehörde] und der WHO gesagt wurde. Es gilt auch dann, wenn alle völlig falsch liegen in Bezug auf die Rolle des SARS-CoV-2-Virus in der aktuellen Epidemie. Ich habe meine Meinung, aber wenn ich im Verlauf dieser Notsituation eines gelernt habe, dann ist es, dass ich nicht wirklich weiß, was passiert. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das überhaupt jemand kann, inmitten dieses brodelnden Gemischs aus Nachrichten, Fake-News, Gerüchten, zurückgehaltenen Informationen, Verschwörungstheorien, Propaganda und politisierten Narrativen, von denen das Internet voll ist. Ich wünschte mir, dass viel mehr Menschen dieses Nichtwissen begrüßten könnten. Ich sage das sowohl denen, die das vorherrschende Narrativ annehmen, als auch denen, die an einer abweichenden Meinung festhalten. Welche Informationen blenden wir möglicherweise aus, um unsere Sichtweise aufrechtzuerhalten? Lasst uns in unseren Überzeugungen bescheiden sein: Es geht um Leben und Tod.

Der Krieg gegen den Tod

Mein 7-jähriger Sohn hat seit zwei Wochen weder mit einem anderen Kind gespielt noch eines gesehen. Millionen anderen geht es genauso. Die meisten von uns stimmen wohl zu, dass ein Monat ohne soziale Interaktion für all diese Kinder ein vertretbares Opfer ist, um Millionen Menschenleben zu retten. Aber wenn es um 100.000 Leben ginge? Und was, wenn das Opfer nicht für einen Monat, sondern für ein Jahr gilt? Für fünf Jahre? Je nach den zugrundeliegenden Wertvorstellungen gibt es hierzu sicherlich eine Menge unterschiedlicher Meinungen.

Versuchen wir, die vorhergegangenen Fragen einmal durch persönlichere zu ersetzen, um über das unmenschliche zweckrationale Denken hinwegzukommen, durch das Menschen zu Statistiken gemacht und manche von ihnen für etwas anderes geopfert werden. Die für mich entscheidende Frage ist: Würde ich alle Kinder des Landes bitten, für eine ganze Saison auf das Spielen mit anderen zu verzichten um das Sterberisiko meiner Mutter zu verringern oder wenn wir schon dabei sind, mein eigenes Risiko? Oder ich könnte fragen: Würde ich ein Verbot von Umarmungen und Händeschütteln verhängen, wenn dadurch mein eigenes Leben gerettet würde? Dies soll nicht das Leben meiner Mutter oder mein eigenes entwerten. Beide sind wertvoll. Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem sie noch mit uns ist. Aber diese Fragen fördern tiefere Aspekte zu Tage. Was ist die richtige Art zu leben? Was ist die richtige Art zu sterben?

Die Antwort auf solche Fragen, gestellt im eigenen Interesse oder in dem der Gesellschaft, hängt davon ab, wie wir es mit dem Tod halten, und wie hoch wir Spiel, Berührung und Gemeinschaft schätzen, genau wie die bürgerliche und persönliche Freiheit. Es gibt keine einfache Formel um diese Werte abzuwägen.

In meinem bisherigen Leben habe ich beobachtet, dass die Gesellschaft mehr und mehr Wert auf Sicherheit, Gefahrenabwehr und Risikoreduktion legt. Dies hat insbesondere die Kindheit beeinflusst: Als Kinder war es für uns normal, draußen im Umkreis von einer Meile um unser Haus ohne Aufsicht zu spielen, ein Verhalten, das heute einen Besuch der Kinderschutzbeauftragten bei den Eltern zur Folge haben kann[3]. Dies manifestiert sich auch im zunehmenden Einsatz von Latexhandschuhen bei immer mehr Berufen, allgegenwärtigen Händedesinfektionsmitteln, abgeschlossenen, bewachten und videoüberwachten Schulgebäuden, intensivierten Flughafen- und Grenzkontrollen, der erhöhten Aufmerksamkeit auf gesetzliche Haftung und Haftpflichtversicherungen, Metalldetektoren und Durchsuchungen vor dem Betreten vieler Sporteinrichtungen und öffentlicher Gebäude und so weiter. Kurz, es nimmt die Form eines Sicherheitsstaates an.

Das Mantra „Sicherheit geht vor“ kommt aus einem Wertesystem, das dem Überleben die oberste Priorität einräumt und andere Werte wie Freude, Abenteuer, Spiel und die Herausforderung und Erweiterung von Grenzen hintanstellt. Andere Kulturen hatten unterschiedliche Prioritäten. Zum Beispiel gehen viele traditionelle oder indigene Gesellschaften viel weniger protektiv mit ihren Kindern um, wie von Jean Liedloff in ihrem Klassiker „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück.“ (engl.: „The Continuum Concept“) dokumentiert. Diese Kulturen erlauben den Kindern Risiken und muten ihnen Verantwortung zu, die für die meisten modernen Menschen verrückt erscheinen würden, in der Überzeugung, dass dies notwendig ist für die Kinder, um Selbständigkeit und einen gesunden Menschenverstand zu entwickeln. Ich denke, dass die meisten modernen Menschen, insbesondere die jüngeren, sich etwas von dieser ureigenen Bereitschaft bewahrt haben, Sicherheit zu opfern für ein Leben, das dafür in vollen Zügen gelebt wird. Die Kultur rundum jedoch predigt ununterbrochen ein Leben in Angst und hat Systeme entwickelt, die diese Angst verkörpern. Bei ihnen gilt Sicherheit als höchste Priorität. Auf diese Weise haben wir ein Medizinsystem, in dem die meisten Entscheidungen auf Risikoabwägungen basieren. Der schlimmste anzunehmende Ausgang, der das totale Versagen des Arztes markiert, ist der Tod. Und dennoch wissen wir, dass uns der Tod in jedem Fall erwartet. Ein gerettetes Leben bedeutet nur einen vertagten Tod.

Die ultimative Erfüllung des zivilisatorischen Kontrollprogramms wäre, über den Tod selbst zu triumphieren. Weil sie das nicht schafft, hat sich die moderne Gesellschaft diesen Triumph vorgetäuscht und leugnet den Tod, den sie nicht bezwingen kann: Das reicht vom Verbergen der Leichname vor dem Blick der Öffentlichkeit über den Fetisch der Jugendhaftigkeit bis zur Abschiebung von alten Menschen in Pflegeheime. Sogar ihre Besessenheit mit Geld und Besitz – beides Erweiterungen des Selbst, wie das Wort "mein" indiziert - drückt diese Wahnvorstellung aus, dass das unbeständige und vergängliche Selbst durch seine Anhängsel permanent gemacht werden kann. All das ist unausweichlich, wenn wir dieses Narrativ des Selbst betrachten, das die Moderne anbietet: das separate Individuum in einer Welt des Anderen. Umgeben von genetischen, sozialen und ökonomischen Konkurrenten, muss sich das Selbst schützen und andere unterwerfen, wenn es Erfolg haben will. Es muss alles tun, um den Tod aufzuhalten, der (in der Geschichte von der Getrenntheit[4]) die totale Vernichtung ist. Die biologische Wissenschaft hat sogar gelehrt, dass es unsere innerste Natur ist, unsere Überlebens- und Fortpflanzungschancen zu maximieren.

Ich fragte eine Freundin, eine Ärztin, die eine Zeit mit den Q'ero in Peru verbrachte, ob die Q'ero (wenn sie könnten) jemanden intubieren würden, um sein Leben zu verlängern. „Natürlich nicht", sagte sie. „Sie würden den Schamanen rufen, um der Person zu helfen gut zu sterben." Gut sterben (was nicht unbedingt bedeutet schmerzfrei zu sterben) existiert nicht wirklich im heutigen medizinischen Vokabular. Es werden keine Aufzeichnungen im Krankenhaus darüber gemacht, ob Menschen gut starben. Das würde nicht als ein positiver Ausgang gewertet werden. In der Welt des getrennten Selbst ist der Tod die ultimative Katastrophe.

Aber ist das so? Hier  die Perspektive von Dr. Lissa Rankin: „Nicht alle von uns wären lieber auf einer Intensivstation, getrennt von unseren Liebsten, mit einer Maschine, die für uns atmet, in Gefahr alleine zu sterben - auch wenn sich dadurch unsere Überlebenschancen erhöhen würden. Manche von uns wollen lieber in den Armen ihrer Lieben sein, zuhause, auch wenn das bedeutet, dass unsere Zeit gekommen ist ... Bedenke, der Tod ist kein Ende. Der Tod bedeutet zurückzukehren nach Hause."

Wenn das Selbst als ein auf das Andere bezogenes, vom Anderen abhängiges, ja sogar durch das Andere erst existierendes betrachtet wird, vermischt es sich mit dem Anderen und das Andere vermischt sich mit dem Selbst. Versteht man das Selbst als einen Bewusstseinsknotenpunkt in einer Beziehungsmatrix, wird man nicht länger nach einem Feind suchen, um jedes Problem zu verstehen, sondern stattdessen nach Ungleichgewichten in den Beziehungen. Der Krieg gegen den Tod macht Platz für das Bestreben gut und voll zu leben, und wir sehen, dass Angst vor dem Tod in Wirklichkeit Angst vor dem Leben ist. Auf wieviel Leben verzichten wir, um sicher zu bleiben?

Totalitarismus - die Perfektion von Kontrolle - ist das unausweichliche Endprodukt der Mythologie vom getrennten Selbst. Was verdient die totale Kontrolle, wenn nicht eine Lebensbedrohung, wie ein Krieg zum Beispiel? Deshalb hat Orwell den ewigen Krieg als eine zwingende Komponente der Herrschaft der Partei identifiziert.

Die angestrebte perfekte Kontrolle über alles, die Leugnung des Todes und die Geschichte vom getrennten Selbst – vor diesem Hintergrund steht die Annahme, dass staatliche Maßnahmen zuvorderst die Sterberate minimieren sollten, nahezu außer Frage. Ein Ziel, dem andere Werte wie Spiel, Freiheit usw. untergeordnet sind. COVID-19 bietet Anlass, diesen Blickpunkt zu erweitern. Ja, lasst uns das Leben heilig halten, noch heiliger als jemals zuvor. Der Tod lehrt uns das. Lasst uns jede Person, jung oder alt, krank oder gesund als das heilige, wertvolle, geliebte Wesen ansehen, das er oder sie ist. Und lasst uns in unseren Herzen auch für andere heilige Werte Platz machen. Das Leben heilig zu halten bedeutet nicht nur, einfach lang zu leben, sondern gut und richtig und voll zu leben.

Wie jede Angst deutet die Angst rund um das Coronavirus auf das, was dahinter liegen mag. Jeder, der das Sterben eines nahen Menschen erlebt hat, weiß, dass der Tod ein Portal zur Liebe ist. COVID-19 hat dem Tod zur Prominenz im Bewusstsein einer Gesellschaft verholfen, die ihn verleugnet. Jenseits der Angst können wir die Liebe sehen, die der Tod befreit. Lasst sie strömen. Lasst sie den Boden unserer Kultur durchtränken und seine wasserführenden Schichten füllen, so dass sie durch die Risse unserer verkrusteten Institutionen, unserer Systeme und unserer Gewohnheiten nach oben sickert. Manche davon mögen auch sterben.

In was für einer Welt wollen wir leben?

Wieviel vom Leben wollen wir auf dem Altar der Sicherheit opfern? Wollen wir zu unserer Sicherheit in einer Welt leben, wo sich Menschen nicht mehr versammeln? Wollen wir zu jeder Zeit Masken in der Öffentlichkeit tragen? Wollen wir uns bei jeder Reise medizinisch untersuchen lassen, wenn das eine bestimmte Zahl von Menschenleben pro Jahr rettet? Sind wir bereit, die allgemeine Medikalisierung[5] des Lebens zu akzeptieren und die Bestimmungshoheit über unsere Körper medizinischen Autoritäten (die von politischen ernannt werden) zu überantworten? Wollen wir, dass jede Veranstaltung eine virtuelle Veranstaltung wird? Wie sehr sind wir bereit in Angst zu leben?

COVID-19 wird irgendwann abebben, aber die Bedrohung durch ansteckende Krankheiten wird bleiben. Unsere Antwort wird den Kurs für die Zukunft bestimmen. Das öffentliche Leben, das gemeinschaftliche Leben und das Leben gemeinsamer Körperlichkeit  ist schon seit einigen Generationen im Schwinden begriffen. Statt in Geschäften einzukaufen, lassen wir uns Sachen nach Hause liefern. Statt Rudeln von Kindern, die draußen spielen, haben wir Play Dates und digitale Abenteuer. Statt des öffentlichen Platzes haben wir ein Online-Forum. Wollen wir fortfahren uns noch weiter voneinander und von der Welt zu isolieren?

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, vor allem, wenn die Abstandsmaßnahmen erfolgreich sein sollten, dass COVID-19 auch über die 18 Monate hinaus fortwirken wird, die es, wie man uns erzählt, dauern wird, bis es vorbei ist. Es ist leicht vorstellbar, dass in dieser Zeit neue Viren auftauchen werden. Es ist leicht vorstellbar, dass Notmaßnahmen normal werden (um die Möglichkeit weiterer Ausbrüche einzudämmen),  genau wie beim Ausnahmezustand nach 9/11, der  heute noch in Kraft ist. Es ist leicht vorstellbar, dass (wie man uns erzählt) eine Wiederansteckung möglich ist, und dass diese Krankheit niemals enden wird. Das bedeutet, die vorübergehenden Veränderungen unser Lebensführung könnten dauerhaft werden.

Wollen wir uns, um das Risiko einer weiteren Pandemie zu senken, dafür entscheiden, für immer in einer Gesellschaft ohne Umarmung und Händeschütteln zu leben? Wollen wir uns dafür entscheiden, in einer Gesellschaft zu leben, in der wir uns nicht mehr in größerer Zahl versammeln? Soll das Konzert, das Sportereignis und das Festival der Vergangenheit angehören? Sollen Kinder nicht mehr mit anderen Kindern spielen? Soll aller menschlicher Kontakt durch Computer und Gesichtsmasken vermittelt werden? Kein Tanzunterricht, kein Fußballtraining, keine Konferenzen und keine Kirchenbesuche mehr? Soll die Reduzierung der Todesfälle der Maßstab sein, an dem der Fortschritt gemessen wird? Heißt menschliche Fortentwicklung Getrenntheit? Ist das die Zukunft?

Dieselbe Frage trifft auch auf die administrativen Werkzeuge zu, die es braucht, um die Bewegungen der Menschen und den Informationsfluss zu kontrollieren. Zum Zeitpunkt, wo ich dies schreibe, geht das ganze Land in Richtung Ausgangssperre. In manchen Ländern muss man sich von einer Regierungs-Webseite ein Formular ausdrucken, um das Haus verlassen zu dürfen. Das erinnert mich an die Schule, wo dein Aufenthaltsort zu jeder Zeit autorisiert sein musste. Oder an ein Gefängnis. Stellen wir uns eine Zukunft elektronischer Passierscheine vor, ein System, in dem Bewegungsfreiheit von Staatsbeamten und ihrer Software zu jeder Zeit verwaltet wird, für immer? Wo jede Bewegung verfolgt wird, ob sie erlaubt ist oder verboten? Und wo, nur zu unserem Schutz natürlich, gesundheitsgefährdende Informationen (welche das sind, wird wieder von verschiedenen Autoritäten entschieden) zu unserem eigenen Besten zensiert werden? Fast wie im Kriegszustand akzeptieren wir angesichts einer Notsituation solche Einschränkungen und geben vorübergehend unsere Freiheiten auf. Ähnlich wie 9/11 übertrumpft COVID-19 alle Vorbehalte.

Zum ersten Mal in der Geschichte gibt es die technologischen Möglichkeiten, eine solche Vision tatsächlich zu realisieren, zumindest in der industrialisierten Welt (zum Beispiel durch die Verwendung von Ortungsdaten des Mobilfunks um räumliche Distanzierung durchzusetzen; siehe auch hier). Nach einem holprigen Übergang könnten wir in einer Gesellschaft leben, wo fast alles Leben online geschieht: Einkauf, Meetings, Unterhaltung, Kontakte, Arbeit, selbst die Rendezvous. Ist es das, was wir wollen? Wieviele gerettete Leben ist das wert?

Ich bin sicher, dass viele der Kontrollmaßnahmen, die heute in Kraft sind, in ein paar Monaten teilweise wieder gelockert werden. Teilweise gelockert, aber jederzeit griffbereit. Solange ansteckende Krankheiten kursieren, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie in Zukunft immer wieder in Kraft gesetzt werden, oder wir erlegen sie uns als neue Gewohnheiten selbst auf. Wie Deborah Tannen in einem Politico-Artikel über die anhaltenden Veränderungen, die das Coronavirus der Welt bringen wird, schreibt: "Wir wissen nun, dass Dinge anzufassen, in der Nähe anderer Menschen zu sein und Luft in geschlossenen Räumen zu atmen, riskant sein kann... Es könnte zu unserer zweiten Natur werden, vor einem Händedruck oder Berührungen des Gesichts zurückzuschrecken, und so wie wir uns pausenlos die Hände waschen, könnte man fürchten, dass wir alle einer kollektiven Zwangsstörung zum Opfer fallen." Gipfelt der Fortschritt der Menschheit nach Tausenden, ja Millionen von Jahren der Berührung, des Kontakts und des Zusammenseins darin, solche Aktivitäten einzustellen, weil sie zu riskant sind?

Leben ist Gemeinschaft

Das Paradox am Programm der Kontrolle ist, dass es uns unseren Zielen nur selten näher bringt. Trotz all der Sicherheitssysteme in fast jedem Eigenheim der oberen Mittelklasse sind die Menschen nicht weniger ängstlich und unsicher als noch vor einer Generation. Trotz ausgeklügelter Sicherheitsmaßnahmen gibt es in Schulen nicht weniger Amokläufe. Trotz phänomenaler Fortschritte in der Medizintechnik sind die Menschen in den letzten 30 Jahren nicht gesünder geworden, eher im Gegenteil. Chronische Krankheiten haben sich ausgebreitet und die Lebenserwartung stagniert. In den USA und Großbritannien ist sie sogar rückläufig.

Die getroffenen Maßnahmen zur Kontrolle von COVID-19 könnten am Ende ebenfalls mehr Leid und Tod zu Folge haben, als sie  verhindern. Die Zahl der Toten zu minimieren heißt jene Todesfälle zu verringern, die wir vorhersagen und erfassen können. Es ist unmöglich zu erfassen, wie viele Menschen möglicherweise zusätzlich sterben, z.B. aufgrund von Depressionen durch die Isolation oder Verzweiflung, weil sie ihre Arbeit verloren haben. Oder durch verringerte Immunkompetenz und zerrüttete Gesundheit wegen chronischer Angst. Es wurde gezeigt, dass Einsamkeit und fehlender sozialer Kontakt entzündliche Prozesse, Depressionen und Demenz begünstigen. Laut Dr. Lissa Rankin erhöht sich das Sterberisiko durch Luftverschmutzung um 6%, durch Adipositas um 23%, durch Alkoholmissbrauch um 37% und durch Einsamkeit um 45%.

Eine weitere Gefahr, die wir noch nicht auf dem Radar haben, entsteht durch die Minderung der Immunkompetenz aufgrund von übermäßiger Hygiene und Distanzierung. Nicht nur der soziale Kontakt ist für die Gesundheit notwendig, sondern auch der Kontakt mit der mikrobiellen Welt. Im Allgemeinen sind Mikroben nicht die Feinde unserer Gesundheit, sondern unsere Verbündeten. Eine artenreiche Darmflora, welche Bakterien, Viren, Hefen und andere Organismen umfasst, ist entscheidend für ein gut funktionierendes Immunsystem, und ihr Artenreichtum wird durch den Kontakt mit anderen Menschen und mit der Welt des Lebendigen aufrecht erhalten. Exzessives Händewaschen, übermäßiger Gebrauch von Antibiotika, aseptische Reinlichkeit und fehlender menschlicher Kontakt kann mehr schaden als nützen. Die dadurch verursachten Allergien und Autoimmun-Erkrankungen könnten schlimmer sein als die Infektionskrankheit, welche sie verhindern sollen. Gesundheit entsteht sowohl gesellschaftlich als auch biologisch durch Gemeinschaft. Das Leben gedeiht nicht in der Isolation.

Die Welt im Sinne eines „Wir-Gegen-Die“ zu sehen, macht uns blind gegenüber der Tatsache, dass Leben und Gesundheit in der Gemeinschaft geschehen. Wenn wir die Infektionskrankheiten als Beispiel nehmen, scheitern wir daran, über den bösen Erreger hinaus schauen und zu fragen: Was ist die Rolle von Viren im Mikrobiom? Was sind die körperlichen Vorbedingungen, unter denen sich schädliche Viren ausbreiten? Warum haben manche Menschen milde Symptome und andere einen schweren Verlauf (lassen wir das Totschlagargument der „erhöhten Infektanfälligkeit”, das gar  nichts erklärt, mal beiseite)? Welche positive Rolle könnten Grippe, Erkältungen und andere nicht tödliche Krankheiten für den Erhalt unserer Gesundheit spielen?

Ein „Krieg-gegen-den-Keim“- Denken führt zu Resultaten, wie sie der Krieg gegen den Terror, der Krieg gegen das Verbrechen, der Krieg gegen das Unkraut und all die anderen endlosen politischen und zwischenmenschlichen Kriege liefern. Erstens führt es zu Krieg ohne Ende, zweitens lenkt es die Aufmerksamkeit von den Grundbedingungen ab, die dazu führen, dass es Krankheit, Terrorismus, Verbrechen, Unkräuter und den ganzen Rest überhaupt gibt.

Trotz der beständigen Behauptung der Politiker, sie führten Krieg für die Sache des Friedens, gebiert Krieg unweigerlich mehr Krieg. Länder zu bombardieren, um Terroristen zu töten, lässt nicht nur die Grundbedingungen für die Entstehung von Terrorismus außer Acht, es verschlimmert diese Bedingungen sogar. Kriminelle wegzusperren lässt nicht nur die Entstehungsbedingungen von Kriminalität außer Acht, es erschafft genau diese Bedingungen, indem es Familien  und Gemeinschaften trennt, und indem es die Eingesperrten in ein kriminelles Milieu zwingt. Und die Anwendung von Antibiotika, Impfungen, antiviralen und anderen Medikamenten richten in der Körper-Ökologie, dem Fundament einer starken Immunkompetenz, großes Unheil an. Außerhalb des Körpers werden die massiven Sprühkampagnen, die durch das Zika-Virus, Dengue Fieber und nun COVID-19 ausgelöst wurden, ungeahnte Schäden auf die Ökologie der Natur zur Folge haben. Hat irgendwer sich überlegt, welche Auswirkungen es auf ein Ökosystem hat, wenn wir es mit antiviralen Substanzen tränken? Solche Methoden (wie sie an verschiedenen Orten in China und Indien tatsächlich umgesetzt wurden) sind nur denkbar aus der Geisteshaltung der Getrenntheit, die nicht versteht, dass Viren unverzichtbar zum Netzwerks des Lebens gehören.

Um die Grundbedingungen zu verstehen, hier ein paar Mortalitätsstatistiken aus Italien (vom Nationalen Gesundheitsinstitut) basierend auf einer Analyse hunderter COVID-Todesfälle: Von den erfassten Fällen hatten weniger als ein Prozent keine ernsten chronischen Nebenerkrankungen. Etwa 75% litten an Bluthochdruck, 35% an Diabetes, 33% an Erkrankungen der Herzkranzgefäße, 24% an Herzvorhofflimmern, 18% an Niereninsuffizienz, neben anderen Bedingungen, die ich aus dem italienischen Bericht nicht entziffern konnte. Fast die Hälfte der Verstorbenen hatte drei oder mehr dieser ernsten Pathologien. Amerikaner, stark betroffen von Adipositas, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten, sind mindestens ebenso anfällig wie die Menschen in Italien. Sollen wir also dem Virus, (das wenige, ansonsten gesunde, Menschen das Leben kostete) die Schuld geben oder der schlechten Grundgesundheit? Hier trifft wieder die Analogie mit dem überdehnten Seil zu. Millionen von Menschen in der modernen Welt befinden sich in einem bedenklichen Gesundheitszustand, und es ist nur eine Frage der Zeit, dass etwas eigentlich Triviales auftaucht und ihnen den Rest gibt. Natürlich wollen wir ihnen  kurzfristig erst einmal das Leben retten; wir laufen dabei aber Gefahr, uns in einer endlosen Abfolge von kurzfristigen Lösungen zu verlieren. Wir bekämpfen eine Infektionskrankheit nach der anderen und kümmern uns nie um die Grundbedingungen, die die Menschen so anfällig machen. Das ist ein viel schwierigeres Problem, denn diese Grundbedingungen werden sich nicht durch einen Kampf verändern lassen. Es gibt kein Pathogen hinter Diabetes oder Adipositas, Sucht, Depression oder PTBS [Posttraumatischer Belastungsstörung]. Ihre Ursachen sind nicht das Andere, nicht irgendein von uns separates Virus, und wir die Opfer.

Selbst bei Krankheiten wie COVID-19, wo wir ein krankmachendes Virus benennen können, sind die Verhältnisse nicht so einfach wie ein Krieg zwischen Virus und Opfer. Zur Keimtheorie von Krankheit gibt es eine Alternative, nach der Keime als Teil eines weiter gefassten Prozesses erachtet werden. Wenn die Bedingungen stimmen, vermehren sie sich im Körper und töten dabei manchmal den Wirt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass sich die Bedingungen, die überhaupt erst zur Infektion geführt haben, verbessern, beispielsweise indem sie den Körper anregt, angereicherte giftige Abfälle mittels Schleimabsonderung auszuscheiden oder sie (metaphorisch gesprochen) durch ein Fieber verbrennt. Diese Alternative wird manchmal Terrain-Theorie genannt und besagt, dass Keime eher als Symptom, denn als Ursache einer Krankheit zu sehen sind. Das drückt sich in folgendem Mem aus: "Dein Fisch ist krank. Keimtheorie: isoliere den Fisch! Terrain-Theorie: reinige das Aquarium!"

Eine Art Schizophrenie hat die moderne Gesundheitskultur befallen. Einerseits gibt es eine wachsende Wellness-Bewegung, in der alternative und holistische Medizin begrüßt wird. Es werden Kräuter, Meditation und Yoga empfohlen, um das Immunsystem zu stärken. Die emotionale und spirituelle Dimensionen von Gesundheit, etwa die Kraft der eigenen Einstellung und des Glaubens daran, zu erkranken oder zu gesunden, wird anerkannt. All dies scheint unter dem Tsunami von COVID begraben worden zu sein, und die Gesellschaft fällt auf ihre alte Orthodoxie zurück.

Ein typisches Beispiel: Akupunkteure in Kalifornien wurden gezwungen, die Arbeit einzustellen, weil man sie für "nicht systemrelevant" hält. Das ist aus Sicht der konventionellen Virologie komplett einleuchtend. Aber wie eine Akupunkteurin auf Facebook beobachtete: "Was ist mit meinem Patienten, mit dem ich arbeite, um von den Opiaten gegen seine Rückenschmerzen loszukommen? Er wird sie nun wieder nehmen müssen." Aus Sicht der medizinischen Autoritäten sind alternative Herangehensweisen, soziale Interaktion, Yoga-Gruppen, Nahrungsergänzungsmittel und so weiter belanglos wenn es um eine echte Krankheit geht, die von einem echten Virus ausgelöst wird. Im Angesicht einer Krise werden sie in das ätherische Reich der "Wellness" verbannt. Das Wiedererstarken der Orthodoxie unter COVID-19 ist so heftig, dass alles, was auch nur entfernt unkonventionell erscheint, wie etwa intravenöse Injektionen mit Vitamin C bis vor zwei Tagen komplett vom Tisch war (es gibt nach wie vor Artikel, die den "Mythos", dass Vitamin C gegen COVID-19 helfen könnte, "entlarven"). Auch habe ich nicht gehört, dass die amerikanische Gesundheitsbehörde den Nutzen von Holunder-Extrakt, medizinischen Pilzen, Zuckerverzicht, ACC (Acetylcystein), Tragant (Astragalus) oder Vitamin C gepredigt hätte. All dies sind aber keine schwammigen Spekulationen über "Wellness", sondern sie werden gestützt durch umfangreiche Forschung und physiologische Erklärungen. Zum Beispiel konnte für ACC (generelle Info und eine Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie) eine sehr deutliche Reduktion des Auftretens und der Schwere von Symptomen grippeartiger Krankheiten gezeigt werden.

Wie die obigen Statistiken über Autoimmunität, Adipositas etc. nahelegen, stehen Amerika und die gesamte moderne Welt ganz allgemein einer Gesundheitskrise gegenüber. Sollten wir als Reaktion nun das, was wir die ganze Zeit getan haben, noch gründlicher treiben? Die bisherige Reaktion auf COVID war, die Orthodoxie zu stärken und unkonventionelle Praktiken und andere Sichtweisen beiseite zu fegen. Eine andere Antwort wäre, den Blick zu weiten und das Gesamtsystem zu untersuchen, einschließlich der Frage, wer dafür bezahlt, wie Zugriff gewährt wird und wie Forschung finanziert wird. Aber auch die einschließende Ausweitung auf randständige Felder, wie Heilkräuter-Medizin, funktionale Medizin und Energiemedizin gehören dazu. Vielleicht können wir diese Gelegenheit nutzen, um die vorherrschenden Theorien zu Krankheit, Gesundheit und  Körper neu zu bewerten. Ja, lasst uns die erkrankten Fische schützen so gut wir können, und zwar jetzt. Aber vielleicht müssen wir nächstes Mal nicht so viele Fische isolieren und mit Medikamenten voll pumpen, wenn wir das Aquarium reinigen.

Ich sage nicht, rennt jetzt los und kauft ACC oder irgendein anderes Supplement, und ich sage auch nicht, dass die Gesellschaft abrupt ihre Reaktion ändern sollte, die physische Distanzierung abbrechen und stattdessen Supplemente einnehmen sollte. Aber wir können den Bruch der Normalität nutzen - dieses Innehalten an der Wegkreuzung - um bewusst zu entscheiden, welchen Weg wir in Zukunft nehmen wollen: welche Art von Gesundheitssystem, welches Paradigma über Gesundheit und was für eine Art von Gesellschaft. Diese Neubewertung geschieht bereits, nun da Ideen wie eine universelle und freie Gesundheitsversorgung in den USA zunehmend an Fahrt aufnehmen. Und dieser Weg führt wiederum zu Verzweigungen. Welche Art von Gesundheitssystem soll universell werden? Wird es nur für alle verfügbar sein, oder für alle verpflichtend - jede Bürgerin eine Patientin, vielleicht mit einem unsichtbaren Barcode-Tattoo, um sicherzustellen, dass ein jeder auch alle Impfungen erhalten und Vorsorgeuntersuchungen absolviert hat. Dann darfst du zur Schule gehen, ein Flugzeug besteigen oder ein Restaurant betreten. Das wäre ein Weg in die Zukunft, der uns offen steht.

Es bietet sich aber auch eine andere Möglichkeit. Statt die Kontrolle noch zu verstärken, könnten wir endlich die holistischen Modelle und Praktiken, die am Rand darauf gewartet haben, dass sich das Zentrum auflöst, damit wir sie jetzt in unserem gedemütigten Zustand ins Zentrum rücken und ein neues System um sie herum errichten.

Die Krönung

Es gibt eine Alternative zur perfekten Kontrolle, die unsere Zivilisation so lange angestrebt hat, und die sich mit jedem Fortschritt wieder ein Stück weit entzieht, wie eine Fata Morgana am Horizont. Ja, wir können den bisherigen Weg in Richtung zunehmender Vereinsamung, stärkerer Abschottung, mehr Herrschaft und größerer Getrenntheit fortsetzen. Wir können zulassen, dass mehr Getrenntheit und Kontrolle normal werden, im Glauben sie seien nötig um uns Sicherheit zu gewähren, und eine Welt akzeptieren, in der wir uns davor fürchten, einander nah zu kommen. Oder wir können diese Pause, diese Unterbrechung der Normalität zum Anlass nehmen, einen Weg in Richtung Wiedervereinigung, Ganzheitlichkeit, Wiederherstellung von verlorenen Beziehungen und Gemeinschaft und unserer Wiedereingliederung in das Netz des Lebens einzuschlagen.

Verdoppeln wir unsere Anstrengungen, das vereinzelte Selbst zu beschützen? Oder nehmen wir die Einladung in eine Welt an, auf der wir alle gemeinsam sind? Nicht nur in der Medizin begegnen wir dieser Frage: sie taucht auch in der Politik, in der Wirtschaft und im persönlichen Leben auf. Nimm  zum Beispiel das Hamstern, das die Vorstellung zum Ausdruck bringt: „Es wird nicht für alle reichen, also werde ich dafür sorgen, dass für mich genug da ist.“ Man könnte auch so darauf reagieren: „Manche haben nicht das, was sie brauchen, also werde ich mit ihnen teilen.“ Preppen[6] oder helfen? Worum geht es im Leben?

Und allgemeiner stellen Menschen jetzt Fragen, die bis dato eher nur Aktivistenkreise beschäftigt haben. Was können wir für die wohnungslosen Menschen machen? Was für die, die im Gefängnis sitzen? Die, die in den Slums leben? Was sollen wir mit den Arbeitslosen machen? Was ist mit den Zimmermädchen, den Uber-Fahrern, den Installateurinnen und den Hauswarten und Busfahrerinnen und Kassierern, die nicht von zu Hause aus arbeiten können? Und so blühen endlich Ideen wie der Schuldenerlass für Ausbildungskredite und das Bedingungslose Grundeinkommen auf. Die Frage „Wie schützen wir die von COVID Bedrohten?“ lädt uns ein, weiter zu fragen: „Wie kümmern wir uns um die verletzlichen Menschen in unserer Gesellschaft?“

Das nämlich ist der Impuls, der sich in uns rührt, einmal abgesehen von Oberflächlichkeiten wie unseren persönlichen Meinungen über den Schweregrad von COVID, die Herkunft des Coronavirus oder welche politischen Maßnahmen angebracht sind. Der Impuls ist: „Lasst uns jetzt wirklich aufeinander achtgeben. Erinnern wir uns daran, wie wertvoll jeder und jede von uns ist und wie kostbar das Leben. Machen wir eine Bestandsaufnahme unserer Zivilisation, zerlegen wir sie in ihre Einzelteile, und schauen wir, ob wir daraus nicht eine viel schönere bauen können.“

Durch die Erfahrungen des Mitgefühls, das COVID jetzt in uns weckt, stimmen immer mehr von uns in die Erkenntnis ein, dass wir nicht mehr in die alte Normalität, die das Mitgefühl so schmerzlich vermissen ließ, zurück wollen. Jetzt haben wir die Gelegenheit, eine neue, mitgefühlsreichere Normalität zu schmieden.

Überall finden sich Anzeichen, dass das gerade passiert. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die lange eine Geißel herzloser Kapitalinteressen zu sein schien, hat hunderte Milliarden Dollar für Direktzahlungen an Familien freigegeben. Donald Trump, nicht gerade als ein Paradebeispiel des Mitgefühls berühmt, hat ein Moratorium für Zwangsvollstreckungen und Zwangsräumungen verhängt. Gewiss, man kann diese Entwicklungen auch zynisch sehen; aber nichtsdestotrotz verkörpern sie das Prinzip der Sorge um die Verwundbaren.

Aus allen Winkeln der Welt hören wir Geschichten von Solidarität und Heilung. Eine Freundin schickte je $100 an zehn Unbekannte in schlimmer Notlage. Mein Sohn, der bis vor wenigen Tagen bei Dunkin‘ Donuts gearbeitet hat, sagte, dass die Leute fünfmal mehr Trinkgeld gegeben haben – und das sind Leute aus der Arbeiterklasse, viele von ihnen lateinamerikanische LKW-Fahrer, die selbst wirtschaftlich prekär leben. Ärztinnen, Krankenpfleger und sogenannte „unentbehrliche Arbeitskräfte“ riskieren ihr Leben im Dienst an der Öffentlichkeit. Hier ein paar Beispiele solcher Entladungen von Liebe und Güte, mit freundlicher Genehmigung von ServiceSpace:

Vielleicht sind wir schon mittendrin, uns in diese neue Geschichte einzuleben. Stelle Dir  vor: die Italienische Luftwaffe verwendet Pavarotti, das Spanische Militär hilft Zivilisten, und die Straßenpolizei spielt Gitarre – um zu inspirieren. Firmen erhöhen unerwartet die Gehälter. Die Kanadier haben eine Initiative gestartet, bei der sie aktiv Güte und Freundlichkeit statt Angst und Panik verbreiten. Ein sechsjähriges Mädchen in Australien spendet entzückend ihr Zahnfee-Geld, eine dreizehnjährige Japanerin näht 612 Masken und Studenten auf der ganzen Welt gehen für ältere Menschen einkaufen. Kuba schickt eine Armee in „weißen Mänteln“ (Ärzt*innen) um Italien zu helfen. Ein Vermieter stundet seinen Mietern die Aprilmiete, das Gedicht eines irischen Priesters verbreitet sich viral, körperbehinderte Aktivist*innen erzeugen Desinfektionsmittel. Stellen Sie sich das vor. Manchmal fördert eine Krise unseren innersten Impuls zutage: dass wir immer mit Mitgefühl reagieren können.

Wie Rebecca Solnit in ihrem wunderbaren Buch „A Paradise Built in Hell“ schreibt, bringen Katastrophen häufig Solidarität zum Aufblühen. Eine schönere Welt schimmert ganz nah unter der Oberfläche und poppt auf, sobald die Systeme, die sie unter Wasser halten, ihren Griff lockern.

So lange sind wir als Kollektiv angesichts einer immer krankmachenderen Gesellschaft hilflos dagestanden. Sei es die Verschlechterung der Gesundheit, der Verfall von Infrastruktur, Depression, Selbsttötung, Sucht, Umweltzerstörung, ungleiche Reichtumsverteilung – die Symptome der misslichen Lage, in der sich die Zivilisation in der entwickelten Welt befindet, sind unübersehbar, aber wir haben uns in den Systemen und Mustern, die sie verursachen, verstrickt. Jetzt hat uns das Coronavirus einen Neuanfang geschenkt.

Eine Million Wege gabeln sich vor uns auf. Das Bedingungslose Grundeinkommen könnte der wirtschaftlichen Unsicherheit ein Ende bereiten und die Kreativität aufblühen lassen, indem Millionen von jener Arbeit befreit werden, die, wie uns das Coronavirus zeigt, weniger notwendig ist als bisher angenommen. Es könnte aber auch angesichts der Schließung kleiner Betriebe dazu kommen, dass die Abhängigkeit von staatlichen Geldern, die an strikte Bedingungen geknüpft sind, zunimmt. Die Krise könnte in den Totalitarismus oder in die Solidarität führen, zu medizinischem Kriegsrecht oder einem Wiedererwachen eines ganzheitlichen Ansatzes, zu einer größeren Furcht vor der Welt der Keime oder größerer Kompetenz im Umgang mit den Mikroorganismen, zu einer neuen, dauerhaften Norm des Abstandhaltens oder zu einem erneuten Wunsch, einander näher zu kommen.

Was kann uns als Einzelne und als Gesellschaft leiten, die wir durch diesen Garten sich verzweigender Wege gehen? An jeder Wegkreuzung können wir uns bewusst machen, wovon wir uns leiten lassen: Angst oder Liebe? Selbstschutz oder Großherzigkeit? Sollen wir in Angst leben und eine darauf basierende Gesellschaft errichten? Sollen wir leben, um unsere abgetrennten Egos zu wahren? Sollen wir die Krise als Waffe gegen unsere politischen Feinde nutzen? Dies sind keine alles-oder-nichts-Fragen, nur Angst oder nur Liebe. Sondern ein nächster Schritt in Richtung Liebe liegt vor uns. Er fühlt sich wagemutig an, aber nicht leichtsinnig. Er umspannt die Wertschätzung des Lebens und zugleich die Anerkennung des Todes. Er kommt aus dem Vertrauen darauf, dass mit jedem neuen Schritt der nächste sichtbar wird.

Bitte glaub nicht, es sei eine reine Willensfrage, sich zwischen Angst und Liebe zu entscheiden, oder dass die Angst wie ein Virus besiegt werden kann. Das Virus, mit dem wir es hier zu tun haben, ist Angst, sei es die Angst vor COVID-19 oder die Angst vor einer totalitären Reaktion darauf, und dieses Virus hat auch seinen Nährboden. Angst gemeinsam mit Sucht, Depression und einer ganzen Reihe körperlicher Leiden gedeiht auf diesem Boden von Getrenntheit und Trauma: dem vererbten Trauma, dem Kindheitstrauma, der Gewalt, dem Krieg, dem Missbrauch, der Missachtung, der Scham, der Bestrafung, der Armut und dem stillschweigend zur Normalität gehörenden Trauma, das fast jede und jeden betrifft, der in einer monetarisierten Gesellschaft lebt, moderne Beschulung absolviert oder ohne Gemeinschaft oder Ortsverbundenheit lebt. Dieser Boden kann verändert werden durch Traumaheilung auf einer persönlichen Ebene, durch systemischen Wandel hin zu einer Gesellschaft mit mehr Mitgefühl, und durch eine Neuerzählung der Geschichte, die unsere Welt erklärt, und die momentan von der Getrenntheit handelt: Vom getrennten Selbst in einer Welt des Anderen - ich getrennt von dir, die Menschheit getrennt von der Natur. Allein zu sein ist eine Urangst, und die moderne Gesellschaft hat mehr und mehr dazu geführt, dass wir allein sind. Aber die Zeit der Wiedervereinigung ist da. Jede Geste des Mitgefühls, der Güte und Freundlichkeit, des Mutes und der Großherzigkeit heilt uns von der Geschichte der Getrenntheit, denn sie versichert beiden, Handelnden und Zeugen der Handlung, dass wir im selben Boot sitzen.

Ich werde zum Abschluss noch eine weitere Dimension der Beziehung zwischen Mensch und Virus ins Feld führen. Viren sind wesentlich für die Evolution, nicht nur die der Menschen, sondern aller Eukaryonten. Viren können DNA von einem Organismus zum anderen transportieren, manchmal auch in die Keimbahn (wodurch die Änderung erblich wird). Bekannt unter der Bezeichnung „Horizontaler Gentransfer“ ist das ein Grundmechanismus der Evolution, der es dem Leben ermöglicht, gemeinsam viel schneller zu evolvieren, als es durch rein zufällige Mutation möglich wäre. Lynn Margulis hat es einmal so ausgedrückt: „Wir sind unsere Viren.“

Und jetzt betrete ich spekulatives Terrain: Vielleicht haben die großen Krankheiten unserer Zivilisation unsere biologische und kulturelle Evolution beschleunigt, vielleicht verleihen sie uns genetische Schlüsselinformation und ermöglichen uns beides, eine individuelle und eine kollektive Initiation. Könnte die herrschende Pandemie genau das sein? Neue RNA-Codes breiten sich von Mensch zu Mensch aus und versorgen uns mit neuer genetischer Information. Gleichzeitig empfangen wir, gemeinsam mit den biologischen, andere, esoterische „Codes“, die unsere Narrative und Systeme unterbrechen - so wie die Krankheit die Physiologie des Körpers unterbricht. Das Phänomen folgt dem Muster einer Initiation: Eine Unterbrechung der Normalität gefolgt von einer Zwangslage, einem Zusammenbruch oder einer Feuerprobe, gefolgt von (wenn sie komplett sein soll) der Reintegration und einem Fest.

Jetzt stellt sich die Frage: eine Initiation in was? Was ist die genaue Natur und der Zweck dieser Initiation? Der Name des Virus gibt einen Hinweis: Coronavirus. Eine Corona ist eine Krone. „Neue Coronavirus Pandemie“ bedeutet: „eine neue Krönung für alle“.

Es ist schon zu spüren, welche Macht uns verliehen werden könnte. Ein wahrer Souverän läuft nicht weg aus Angst vor dem Leben oder Angst vor dem Tod. Ein wahrer Souverän beherrscht nicht und unterwirft nicht (das macht sein Schatten-Archetyp, der Tyrann). Ein wahrer Souverän dient den Menschen, dient dem Leben und respektiert die Souveränität aller Menschen. Die Krönung markiert das Hervortreten des Unbewussten in das Bewusste, die Kristallisation von Chaos in Ordnung, die Überwindung von Zwang und dessen Umwandlung in eine bewusste Entscheidung. Wir werden die Regenten dessen, was uns regiert hat. Die neue Weltordnung, die die Verschwörungstheoretiker fürchten, ist ein Schattenbild der grandiosen Möglichkeit, die souveränen Wesen offen steht. Nicht länger Vasallen der Angst, können wir Ordnung im Königreich machen und eine Gesellschaft aufbauen, die sich auf die Liebe einigt, die schon durch die Ritzen in der Welt der Getrenntheit schimmert.


 Coronation 

For years, normality has been stretched nearly to its breaking point, a rope pulled tighter and tighter, waiting for a nip of the black swan’s beak to snap it in two. Now that the rope has snapped, do we tie its ends back together, or shall we undo its dangling braids still further, to see what we might weave from them?

Covid-19 is showing us that when humanity is united in common cause, phenomenally rapid change is possible. None of the world’s problems are technically difficult to solve; they originate in human disagreement. In coherency, humanity’s creative powers are boundless. A few months ago, a proposal to halt commercial air travel would have seemed preposterous. Likewise for the radical changes we are making in our social behavior, economy, and the role of government in our lives. Covid demonstrates the power of our collective will when we agree on what is important. What else might we achieve, in coherency? What do we want to achieve, and what world shall we create? That is always the next question when anyone awakens to their power.

Covid-19 is like a rehab intervention that breaks the addictive hold of normality. To interrupt a habit is to make it visible; it is to turn it from a compulsion to a choice. When the crisis subsides, we might have occasion to ask whether we want to return to normal, or whether there might be something we’ve seen during this break in the routines that we want to bring into the future. We might ask, after so many have lost their jobs, whether all of them are the jobs the world most needs, and whether our labor and creativity would be better applied elsewhere. We might ask, having done without it for a while, whether we really need so much air travel, Disneyworld vacations, or trade shows. What parts of the economy will we want to restore, and what parts might we choose to let go of? And on a darker note, what among the things that are being taken away right now – civil liberties, freedom of assembly, sovereignty over our bodies, in-person gatherings, hugs, handshakes, and public life – might we need to exert intentional political and personal will to restore?

For most of my life, I have had the feeling that humanity was nearing a crossroads. Always, the crisis, the collapse, the break was imminent, just around the bend, but it didn’t come and it didn’t come. Imagine walking a road, and up ahead you see it, you see the crossroads. It’s just over the hill, around the bend, past the woods. Cresting the hill, you see you were mistaken, it was a mirage, it was farther away than you thought. You keep walking. Sometimes it comes into view, sometimes it disappears from sight and it seems like this road goes on forever. Maybe there isn’t a crossroads. No, there it is again! Always it is almost here. Never is it here.

Now, all of a sudden, we go around a bend and here it is. We stop, hardly able to believe that now it is happening, hardly able to believe, after years of confinement to the road of our predecessors, that now we finally have a choice. We are right to stop, stunned at the newness of our situation. Because of the hundred paths that radiate out in front of us, some lead in the same direction we’ve already been headed. Some lead to hell on earth. And some lead to a world more healed and more beautiful than we ever dared believe to be possible.

I write these words with the aim of standing here with you – bewildered, scared maybe, yet also with a sense of new possibility – at this point of diverging paths. Let us gaze down some of them and see where they lead.

* * *

I heard this story last week from a friend. She was in a grocery store and saw a woman sobbing in the aisle. Flouting social distancing rules, she went to the woman and gave her a hug. “Thank you,” the woman said, “that is the first time anyone has hugged me for ten days.”

Going without hugs for a few weeks seems a small price to pay if it will stem an epidemic that could take millions of lives. There is a strong argument for social distancing in the near term: to prevent a sudden surge of Covid cases from overwhelming the medical system. I would like to put that argument in a larger context, especially as we look to the long term. Lest we institutionalize distancing and reengineer society around it, let us be aware of what choice we are making and why.

The same goes for the other changes happening around the coronavirus epidemic. Some commentators have observed how it plays neatly into an agenda of totalitarian control. A frightened public accepts abridgments of civil liberties that are otherwise hard to justify, such as the tracking of everyone’s movements at all times, forcible medical treatment, involuntary quarantine, restrictions on travel and the freedom of assembly, censorship of what the authorities deem to be disinformation, suspension of habeas corpus, and military policing of civilians. Many of these were underway before Covid-19; since its advent, they have been irresistible. The same goes for the automation of commerce; the transition from participation in sports and entertainment to remote viewing; the migration of life from public to private spaces; the transition away from place-based schools toward online education, the decline of brick-and-mortar stores, and the movement of human work and leisure onto screens. Covid-19 is accelerating preexisting trends, political, economic, and social.

While all the above are, in the short term, justified on the grounds of flattening the curve (the epidemiological growth curve), we are also hearing a lot about a “new normal”; that is to say, the changes may not be temporary at all. Since the threat of infectious disease, like the threat of terrorism, never goes away, control measures can easily become permanent. If we were going in this direction anyway, the current justification must be part of a deeper impulse. I will analyze this impulse in two parts: the reflex of control, and the war on death. Thus understood, an initiatory opportunity emerges, one that we are seeing already in the form of the solidarity, compassion, and care that Covid-19 has inspired.

The Reflex of Control

At the current writing, official statistics say that about 25,000 people have died from Covid-19. By the time it runs its course, the death toll could be ten times or a hundred times bigger, or even, if the most alarming guesses are right, a thousand times bigger. Each one of these people has loved ones, family and friends. Compassion and conscience call us to do what we can to avert unnecessary tragedy. This is personal for me: my own infinitely dear but frail mother is among the most vulnerable to a disease that kills mostly the aged and the infirm.

What will the final numbers be? That question is impossible to answer at the time of this writing. Early reports were alarming; for weeks the official number from Wuhan, circulated endlessly in the media, was a shocking 3.4%. That, coupled with its highly contagious nature, pointed to tens of millions of deaths worldwide, or even as many as 100 million. More recently, estimates have plunged as it has become apparent that most cases are mild or asymptomatic. Since testing has been skewed towards the seriously ill, the death rate has looked artificially high. In South Korea, where hundreds of thousands of people with mild symptoms have been tested, the reported case fatality rate is around 1%. In Germany, whose testing also extends to many with mild symptoms, the fatality rate is 0.4%. A recent paper in the journal Science argues that 86% of infections have been undocumented, which points to a much lower mortality rate than the current case fatality rate would indicate.

The story of the Diamond Princess cruise ship bolsters this view. Of the 3,711 people on board, about 20% have tested positive for the virus; less than half of those had symptoms, and eight have died. A cruise ship is a perfect setting for contagion, and there was plenty of time for the virus to spread on board before anyone did anything about it, yet only a fifth were infected. Furthermore, the cruise ship’s population was heavily skewed (as are most cruise ships) toward the elderly: nearly a third of the passengers were over age 70, and more than half were over age 60. A research team concluded from the large number of asymptomatic cases that the true fatality rate in China is around 0.5%. That is still five times higher than flu. Based on the above (and adjusting for much younger demographics in Africa and South and Southeast Asia) my guess is about 200,000-300,000 deaths in the US – more if the medical system is overwhelmed, less if infections are spread out over time – and 3 million globally. Those are serious numbers. Not since the Hong Kong Flu pandemic of 1968/9 has the world experienced anything like it.

My guesses could easily be off by an order of magnitude. Every day the media reports the total number of Covid-19 cases, but no one has any idea what the true number is, because only a tiny proportion of the population has been tested. If tens of millions have the virus, asymptomatically, we would not know it. Further complicating the matter is the high rate of false positives for existing testing, possibly as high as 80%. (And see here for even more alarming uncertainties about test accuracy.) Let me repeat: no one knows what is really happening, including me. Let us be aware of two contradictory tendencies in human affairs. The first is the tendency for hysteria to feed on itself, to exclude data points that don’t play into the fear, and to create the world in its image. The second is denial, the irrational rejection of information that might disrupt normalcy and comfort. As Daniel Schmactenberger asks, How do you know what you believe is true?

In the face of the uncertainty, I’d like to make a prediction: The crisis will play out so that we never will know. If the final death tally, which will itself be the subject of dispute, is lower than feared, some will say that is because the controls worked. Others will say it is because the disease wasn’t as dangerous as we were told.

To me, the most baffling puzzle is why at the present writing there seem to be no new cases in China. The government didn’t initiate its lockdown until well after the virus was established. It should have spread widely during Chinese New Year, when every plane, train, and bus is packed with people traveling all over the country. What is going on here? Again, I don’t know, and neither do you.

Whether the final global death toll is 50,000 or 500,000 or 5 million, let’s look at some other numbers to get some perspective. My point is NOT that Covid isn’t so bad and we shouldn’t do anything. Bear with me. Last year, according to the FAO, five million children worldwide died of hunger (among 162 million who are stunted and 51 million who are wasted). That is 200 times more people than have died so far from Covid-19, yet no government has declared a state of emergency or asked that we radically alter our way of life to save them. Nor do we see a comparable level of alarm and action around suicide – the mere tip of an iceberg of despair and depression – which kills over a million people a year globally and 50,000 in the USA. Or drug overdoses, which kill 70,000 in the USA, the autoimmunity epidemic, which affects 23.5 million (NIH figure) to 50 million (AARDA), or obesity, which afflicts well over 100 million. Why, for that matter, are we not in a frenzy about averting nuclear armageddon or ecological collapse, but, to the contrary, pursue choices that magnify those very dangers?

Please, the point here is not that we haven’t changed our ways to stop children from starving, so we shouldn’t change them for Covid either. It is the contrary: If we can change so radically for Covid-19, we can do it for these other conditions too. Let us ask why are we able to unify our collective will to stem this virus, but not to address other grave threats to humanity. Why, until now, has society been so frozen in its existing trajectory?

The answer is revealing. Simply, in the face of world hunger, addiction, autoimmunity, suicide, or ecological collapse, we as a society do not know what to do. Our go-to crisis responses, all of which are some version of control, aren’t very effective in addressing these conditions. Now along comes a contagious epidemic, and finally we can spring into action. It is a crisis for which control works: quarantines, lockdowns, isolation, hand-washing; control of movement, control of information, control of our bodies. That makes Covid a convenient receptacle for our inchoate fears, a place to channel our growing sense of helplessness in the face of the changes overtaking the world. Covid-19 is a threat that we know how to meet. Unlike so many of our other fears, Covid-19 offers a plan.

Our civilization’s established institutions are increasingly helpless to meet the challenges of our time. How they welcome a challenge that they finally can meet. How eager they are to embrace it as a paramount crisis. How naturally their systems of information management select for the most alarming portrayals of it. How easily the public joins the panic, embracing a threat that the authorities can handle as a proxy for the various unspeakable threats that they cannot.

Today, most of our challenges no longer succumb to force. Our antibiotics and surgery fail to meet the surging health crises of autoimmunity, addiction, and obesity. Our guns and bombs, built to conquer armies, are useless to erase hatred abroad or keep domestic violence out of our homes. Our police and prisons cannot heal the breeding conditions of crime. Our pesticides cannot restore ruined soil. Covid-19 recalls the good old days when the challenges of infectious diseases succumbed to modern medicine and hygiene, at the same time as the Nazis succumbed to the war machine, and nature itself succumbed, or so it seemed, to technological conquest and improvement. It recalls the days when our weapons worked and the world seemed indeed to be improving with each technology of control.

What kind of problem succumbs to domination and control? The kind caused by something from the outside, something Other. When the cause of the problem is something intimate to ourselves, like homelessness or inequality, addiction or obesity, there is nothing to war against. We may try to install an enemy, blaming, for example, the billionaires, Vladimir Putin, or the Devil, but then we miss key information, such as the ground conditions that allow billionaires (or viruses) to replicate in the first place.

If there is one thing our civilization is good at, it is fighting an enemy. We welcome opportunities to do what we are good at, which prove the validity of our technologies, systems, and worldview. And so, we manufacture enemies, cast problems like crime, terrorism, and disease into us-versus-them terms, and mobilize our collective energies toward those endeavors that can be seen that way. Thus, we single out Covid-19 as a call to arms, reorganizing society as if for a war effort, while treating as normal the possibility of nuclear armageddon, ecological collapse, and five million children starving.

The Conspiracy Narrative

Because Covid-19 seems to justify so many items on the totalitarian wish list, there are those who believe it to be a deliberate power play. It is not my purpose to advance that theory nor to debunk it, although I will offer some meta-level comments. First a brief overview.

The theories (there are many variants) talk about Event 201 (sponsored by the Gates Foundation, CIA, etc. last September), and a 2010 Rockefeller Foundation white paper detailing a scenario called “Lockstep,” both of which lay out the authoritarian response to a hypothetical pandemic. They observe that the infrastructure, technology, and legislative framework for martial law has been in preparation for many years. All that was needed, they say, was a way to make the public embrace it, and now that has come. Whether or not current controls are permanent, a precedent is being set for:

  • • The tracking of people’s movements at all times (because coronavirus)
  • • The suspension of freedom of assembly (because coronavirus)
  • • The military policing of civilians (because coronavirus)
  • • Extrajudicial, indefinite detention (quarantine, because coronavirus)
  • • The banning of cash (because coronavirus)
  • • Censorship of the Internet (to combat disinformation, because coronavirus)
  • • Compulsory vaccination and other medical treatment, establishing the state’s sovereignty over our bodies (because coronavirus)
  • • The classification of all activities and destinations into the expressly permitted and the expressly forbidden (you can leave your house for this, but not that), eliminating the un-policed, non-juridical gray zone. That totality is the very essence of totalitarianism. Necessary now though, because, well, coronavirus.

 

This is juicy material for conspiracy theories. For all I know, one of those theories could be true; however, the same progression of events could unfold from an unconscious systemic tilt toward ever-increasing control. Where does this tilt come from? It is woven into civilization’s DNA. For millennia, civilization (as opposed to small-scale traditional cultures) has understood progress as a matter of extending control onto the world: domesticating the wild, conquering the barbarians, mastering the forces of nature, and ordering society according to law and reason. The ascent of control accelerated with the Scientific Revolution, which launched “progress” to new heights: the ordering of reality into objective categories and quantities, and the mastering of materiality with technology. Finally, the social sciences promised to use the same means and methods to fulfill the ambition (which goes back to Plato and Confucius) to engineer a perfect society.

Those who administer civilization will therefore welcome any opportunity to strengthen their control, for after all, it is in service to a grand vision of human destiny: the perfectly ordered world, in which disease, crime, poverty, and perhaps suffering itself can be engineered out of existence. No nefarious motives are necessary. Of course they would like to keep track of everyone – all the better to ensure the common good. For them, Covid-19 shows how necessary that is. “Can we afford democratic freedoms in light of the coronavirus?” they ask. “Must we now, out of necessity, sacrifice those for our own safety?” It is a familiar refrain, for it has accompanied other crises in the past, like 9/11.

To rework a common metaphor, imagine a man with a hammer, stalking around looking for a reason to use it. Suddenly he sees a nail sticking out. He’s been looking for a nail for a long time, pounding on screws and bolts and not accomplishing much. He inhabits a worldview in which hammers are the best tools, and the world can be made better by pounding in the nails. And here is a nail! We might suspect that in his eagerness he has placed the nail there himself, but it hardly matters. Maybe it isn’t even a nail that’s sticking out, but it resembles one enough to start pounding. When the tool is at the ready, an opportunity will arise to use it.

And I will add, for those inclined to doubt the authorities, maybe this time it really is a nail. In that case, the hammer is the right tool – and the principle of the hammer will emerge the stronger, ready for the screw, the button, the clip, and the tear.

Either way, the problem we deal with here is much deeper than that of overthrowing an evil coterie of Illuminati. Even if they do exist, given the tilt of civilization, the same trend would persist without them, or a new Illuminati would arise to assume the functions of the old.

True or false, the idea that the epidemic is some monstrous plot perpetrated by evildoers upon the public is not so far from the mindset of find-the-pathogen. It is a crusading mentality, a war mentality. It locates the source of a sociopolitical illness in a pathogen against which we may then fight, a victimizer separate from ourselves. It risks ignoring the conditions that make society fertile ground for the plot to take hold. Whether that ground was sown deliberately or by the wind is, for me, a secondary question.

What I will say next is relevant whether or not SARS-CoV2 is a genetically engineered bioweapon, is related to 5G rollout, is being used to prevent “disclosure,” is a Trojan horse for totalitarian world government, is more deadly than we’ve been told, is less deadly than we’ve been told, originated in a Wuhan biolab, originated at Fort Detrick, or is exactly as the CDC and WHO have been telling us. It applies even if everyone is totally wrong about the role of the SARS-CoV-2 virus in the current epidemic. I have my opinions, but if there is one thing I have learned through the course of this emergency is that I don’t really know what is happening. I don’t see how anyone can, amidst the seething farrago of news, fake news, rumors, suppressed information, conspiracy theories, propaganda, and politicized narratives that fill the Internet. I wish a lot more people would embrace not knowing. I say that both to those who embrace the dominant narrative, as well as to those who hew to dissenting ones. What information might we be blocking out, in order to maintain the integrity of our viewpoints? Let’s be humble in our beliefs: it is a matter of life and death.

The War on Death

My 7-year-old son hasn’t seen or played with another child for two weeks. Millions of others are in the same boat. Most would agree that a month without social interaction for all those children a reasonable sacrifice to save a million lives. But how about to save 100,000 lives? And what if the sacrifice is not for a month but for a year? Five years? Different people will have different opinions on that, according to their underlying values.

Let’s replace the foregoing questions with something more personal, that pierces the inhuman utilitarian thinking that turns people into statistics and sacrifices some of them for something else. The relevant question for me is, Would I ask all the nation’s children to forego play for a season, if it would reduce my mother’s risk of dying, or for that matter, my own risk? Or I might ask, Would I decree the end of human hugging and handshakes, if it would save my own life? This is not to devalue Mom’s life or my own, both of which are precious. I am grateful for every day she is still with us. But these questions bring up deep issues. What is the right way to live? What is the right way to die?

The answer to such questions, whether asked on behalf of oneself or on behalf of society at large, depends on how we hold death and how much we value play, touch, and togetherness, along with civil liberties and personal freedom. There is no easy formula to balance these values.

Over my lifetime I’ve seen society place more and more emphasis on safety, security, and risk reduction. It has especially impacted childhood: as a young boy it was normal for us to roam a mile from home unsupervised – behavior that would earn parents a visit from Child Protective Services today. It also manifests in the form of latex gloves for more and more professions; hand sanitizer everywhere; locked, guarded, and surveilled school buildings; intensified airport and border security; heightened awareness of legal liability and liability insurance; metal detectors and searches before entering many sports arenas and public buildings, and so on. Writ large, it takes the form of the security state.

The mantra “safety first” comes from a value system that makes survival top priority, and that depreciates other values like fun, adventure, play, and the challenging of limits. Other cultures had different priorities. For instance, many traditional and indigenous cultures are much less protective of children, as documented in Jean Liedloff’s classic, The Continuum Concept. They allow them risks and responsibilities that would seem insane to most modern people, believing that this is necessary for children to develop self-reliance and good judgement. I think most modern people, especially younger people, retain some of this inherent willingness to sacrifice safety in order to live life fully. The surrounding culture, however, lobbies us relentlessly to live in fear, and has constructed systems that embody fear. In them, staying safe is over-ridingly important. Thus we have a medical system in which most decisions are based on calculations of risk, and in which the worst possible outcome, marking the physician’s ultimate failure, is death. Yet all the while, we know that death awaits us regardless. A life saved actually means a death postponed.

The ultimate fulfillment of civilization’s program of control would be to triumph over death itself. Failing that, modern society settles for a facsimile of that triumph: denial rather than conquest. Ours is a society of death denial, from its hiding away of corpses, to its fetish for youthfulness, to its warehousing of old people in nursing homes. Even its obsession with money and property – extensions of the self, as the word “mine” indicates – expresses the delusion that the impermanent self can be made permanent through its attachments. All this is inevitable given the story-of-self that modernity offers: the separate individual in a world of Other. Surrounded by genetic, social, and economic competitors, that self must protect and dominate in order to thrive. It must do everything it can to forestall death, which (in the story of separation) is total annihilation. Biological science has even taught us that our very nature is to maximize our chances of surviving and reproducing.

I asked a friend, a medical doctor who has spent time with the Q’ero on Peru, whether the Q’ero would (if they could) intubate someone to prolong their life. “Of course not,” she said. “They would summon the shaman to help him die well.” Dying well (which isn’t necessarily the same as dying painlessly) is not much in today’s medical vocabulary. No hospital records are kept on whether patients die well. That would not be counted as a positive outcome. In the world of the separate self, death is the ultimate catastrophe.

But is it? Consider this perspective from Dr. Lissa Rankin: “Not all of us would want to be in an ICU, isolated from loved ones with a machine breathing for us, at risk of dying alone- even if it means they might increase their chance of survival. Some of us might rather be held in the arms of loved ones at home, even if that means our time has come…. Remember, death is no ending. Death is going home.”

When the self is understood as relational, interdependent, even inter-existent, then it bleeds over into the other, and the other bleeds over into the self. Understanding the self as a locus of consciousness in a matrix of relationship, one no longer searches for an enemy as the key to understanding every problem, but looks instead for imbalances in relationships. The War on Death gives way to the quest to live well and fully, and we see that fear of death is actually fear of life. How much of life will we forego to stay safe?

Totalitarianism – the perfection of control – is the inevitable end product of the mythology of the separate self. What else but a threat to life, like a war, would merit total control? Thus Orwell identified perpetual war as a crucial component of the Party’s rule.

Against the backdrop of the program of control, death denial, and the separate self, the assumption that public policy should seek to minimize the number of deaths is nearly beyond question, a goal to which other values like play, freedom, etc. are subordinate. Covid-19 offers occasion to broaden that view. Yes, let us hold life sacred, more sacred than ever. Death teaches us that. Let us hold each person, young or old, sick or well, as the sacred, precious, beloved being that they are. And in the circle of our hearts, let us make room for other sacred values too. To hold life sacred is not just to live long, it is to live well and right and fully.

Like all fear, the fear around the coronavirus hints at what might lie beyond it. Anyone who has experienced the passing of someone close knows that death is a portal to love. Covid-19 has elevated death to prominence in the consciousness of a society that denies it. On the other side of the fear, we can see the love that death liberates. Let it pour forth. Let it saturate the soil of our culture and fill its aquifers so that it seeps up through the cracks of our crusted institutions, our systems, and our habits. Some of these may die too.

What world shall we live in?

How much of life do we want to sacrifice at the altar of security? If it keeps us safer, do we want to live in a world where human beings never congregate? Do we want to wear masks in public all the time? Do we want to be medically examined every time we travel, if that will save some number of lives a year? Are we willing to accept the medicalization of life in general, handing over final sovereignty over our bodies to medical authorities (as selected by political ones)? Do we want every event to be a virtual event? How much are we willing to live in fear?

Covid-19 will eventually subside, but the threat of infectious disease is permanent. Our response to it sets a course for the future. Public life, communal life, the life of shared physicality has been dwindling over several generations. Instead of shopping at stores, we get things delivered to our homes. Instead of packs of kids playing outside, we have play dates and digital adventures. Instead of the public square, we have the online forum. Do we want to continue to insulate ourselves still further from each other and the world?

It is not hard to imagine, especially if social distancing is successful, that Covid-19 persists beyond the 18 months we are being told to expect for it to run its course. It is not hard to imagine that new viruses will emerge during that time. It is not hard to imagine that emergency measures will become normal (so as to forestall the possibility of another outbreak), just as the state of emergency declared after 9/11 is still in effect today. It is not hard to imagine that (as we are being told), reinfection is possible, so that the disease will never run its course. That means that the temporary changes in our way of life may become permanent.

To reduce the risk of another pandemic, shall we choose to live in a society without hugs, handshakes, and high-fives, forever more? Shall we choose to live in a society where we no longer gather en masse? Shall the concert, the sports competition, and the festival be a thing of the past? Shall children no longer play with other children? Shall all human contact be mediated by computers and masks? No more dance classes, no more karate classes, no more conferences, no more churches? Is death reduction to be the standard by which to measure progress? Does human advancement mean separation? Is this the future?

The same question applies to the administrative tools required to control the movement of people and the flow of information. At the present writing, the entire country is moving toward lockdown. In some countries, one must print out a form from a government website in order to leave the house. It reminds me of school, where one’s location must be authorized at all times. Or of prison. Do we envision a future of electronic hall passes, a system where freedom of movement is governed by state administrators and their software at all times, permanently? Where every movement is tracked, either permitted or prohibited? And, for our protection, where information that threatens our health (as decided, again, by various authorities) is censored for our own good? In the face of an emergency, like unto a state of war, we accept such restrictions and temporarily surrender our freedoms. Similar to 9/11, Covid-19 trumps all objections.

For the first time in history, the technological means exist to realize such a vision, at least in the developed world (for example, using cellphone location data to enforce social distancing; see also here). After a bumpy transition, we could live in a society where nearly all of life happens online: shopping, meeting, entertainment, socializing, working, even dating. Is that what we want? How many lives saved is that worth?

I am sure that many of the controls in effect today will be partially relaxed in a few months. Partially relaxed, but at the ready. As long as infectious disease remains with us, they are likely to be reimposed, again and again, in the future, or be self-imposed in the form of habits. As Deborah Tannen says, contributing to a Politico article on how coronavirus will change the world permanently, ‘We know now that touching things, being with other people and breathing the air in an enclosed space can be risky…. It could become second nature to recoil from shaking hands or touching our faces—and we may all fall heir to society-wide OCD, as none of us can stop washing our hands.” After thousands of years, millions of years, of touch, contact, and togetherness, is the pinnacle of human progress to be that we cease such activities because they are too risky?

Life is Community

The paradox of the program of control is that its progress rarely advances us any closer to its goal. Despite security systems in almost every upper middle-class home, people are no less anxious or insecure than they were a generation ago. Despite elaborate security measures, the schools are not seeing fewer mass shootings. Despite phenomenal progress in medical technology, people have if anything become less healthy over the past thirty years, as chronic disease has proliferated and life expectancy stagnated and, in the USA and Britain, started to decline.

The measures being instituted to control Covid-19, likewise, may end up causing more suffering and death than they prevent. Minimizing deaths means minimizing the deaths that we know how to predict and measure. It is impossible to measure the added deaths that might come from isolation-induced depression, for instance, or the despair caused by unemployment, or the lowered immunity and deterioration in health that chronic fear can cause. Loneliness and lack of social contact has been shown to increase inflammation, depression, and dementia. According to Lissa Rankin, M.D., air pollution increases risk of dying by 6%, obesity by 23%, alcohol abuse by 37%, and loneliness by 45%.

Another danger that is off the ledger is the deterioration in immunity caused by excessive hygiene and distancing. It is not only social contact that is necessary for health, it is also contact with the microbial world. Generally speaking, microbes are not our enemies, they are our allies in health. A diverse gut biome, comprising bacteria, viruses, yeasts, and other organisms, is essential for a well-functioning immune system, and its diversity is maintained through contact with other people and with the world of life. Excessive hand-washing, overuse of antibiotics, aseptic cleanliness, and lack of human contact might do more harm than good. The resulting allergies and autoimmune disorders might be worse than the infectious disease they replace. Socially and biologically, health comes from community. Life does not thrive in isolation.

Seeing the world in us-versus-them terms blinds us to the reality that life and health happen in community. To take the example of infectious diseases, we fail to look beyond the evil pathogen and ask, What is the role of viruses in the microbiome? (See also here.) What are the body conditions under which harmful viruses proliferate? Why do some people have mild symptoms and others severe ones (besides the catch-all non-explanation of “low resistance”)? What positive role might flus, colds, and other non-lethal diseases play in the maintenance of health?

War-on-germs thinking brings results akin to those of the War on Terror, War on Crime, War on Weeds, and the endless wars we fight politically and interpersonally. First, it generates endless war; second, it diverts attention from the ground conditions that breed illness, terrorism, crime, weeds, and the rest.

Despite politicians’ perennial claim that they pursue war for the sake of peace, war inevitably breeds more war. Bombing countries to kill terrorists not only ignores the ground conditions of terrorism, it exacerbates those conditions. Locking up criminals not only ignores the conditions that breed crime, it creates those conditions when it breaks up families and communities and acculturates the incarcerated to criminality. And regimes of antibiotics, vaccines, antivirals, and other medicines wreak havoc on body ecology, which is the foundation of strong immunity. Outside the body, the massive spraying campaigns sparked by Zika, Dengue Fever, and now Covid-19 will visit untold damage upon nature’s ecology. Has anyone considered what the effects on the ecosystem will be when we douse it with antiviral compounds? Such a policy (which has been implemented in various places in China and India) is only thinkable from the mindset of separation, which does not understand that viruses are integral to the web of life.

To understand the point about ground conditions, consider some mortality statistics from Italy (from its National Health Institute), based on an analysis of hundreds of Covid-19 fatalities. Of those analyzed, less than 1% were free of serious chronic health conditions. Some 75% suffered from hypertension, 35% from diabetes, 33% from cardiac ischemia, 24% from atrial fibrillation, 18% from low renal function, along with other conditions that I couldn’t decipher from the Italian report. Nearly half the deceased had three or more of these serious pathologies. Americans, beset by obesity, diabetes, and other chronic ailments, are at least as vulnerable as Italians. Should we blame the virus then (which killed few otherwise healthy people), or shall we blame underlying poor health? Here again the analogy of the taut rope applies. Millions of people in the modern world are in a precarious state of health, just waiting for something that would normally be trivial to send them over the edge. Of course, in the short term we want to save their lives; the danger is that we lose ourselves in an endless succession of short terms, fighting one infectious disease after another, and never engage the ground conditions that make people so vulnerable. That is a much harder problem, because these ground conditions will not change via fighting. There is no pathogen that causes diabetes or obesity, addiction, depression, or PTSD. Their causes are not an Other, not some virus separate from ourselves, and we its victims.

Even in diseases like Covid-19, in which we can name a pathogenic virus, matters are not so simple as a war between virus and victim. There is an alternative to the germ theory of disease that holds germs to be part of a larger process. When conditions are right, they multiply in the body, sometimes killing the host, but also, potentially, improving the conditions that accommodated them to begin with, for example by cleaning out accumulated toxic debris via mucus discharge, or (metaphorically speaking) burning them up with fever. Sometimes called “terrain theory,” it says that germs are more symptom than cause of disease. As one meme explains it: “Your fish is sick. Germ theory: isolate the fish. Terrain theory: clean the tank.”

A certain schizophrenia afflicts the modern culture of health. On the one hand, there is a burgeoning wellness movement that embraces alternative and holistic medicine. It advocates herbs, meditation, and yoga to boost immunity. It validates the emotional and spiritual dimensions of health, such as the power of attitudes and beliefs to sicken or to heal. All of this seems to have disappeared under the Covid tsunami, as society defaults to the old orthodoxy.

Case in point: California acupuncturists have been forced to shut down, having been deemed “non-essential.” This is perfectly understandable from the perspective of conventional virology. But as one acupuncturist on Facebook observed, “What about my patient who I’m working with to get off opioids for his back pain? He’s going to have to start using them again.” From the worldview of medical authority, alternative modalities, social interaction, yoga classes, supplements, and so on are frivolous when it comes to real diseases caused by real viruses. They are relegated to an etheric realm of “wellness” in the face of a crisis. The resurgence of orthodoxy under Covid-19 is so intense that anything remotely unconventional, such as intravenous vitamin C, was completely off the table in the United States until two days ago (articles still abound “debunking” the “myth” that vitamin C can help fight Covid-19). Nor have I heard the CDC evangelize the benefits of elderberry extract, medicinal mushrooms, cutting sugar intake, NAC (N-acetyl L-cysteine), astragalus, or vitamin D. These are not just mushy speculation about “wellness,” but are supported by extensive research and physiological explanations. For example, NAC (general info, double-blind placebo-controlled study) has been shown to radically reduce incidence and severity of symptoms in flu-like illnesses.

As the statistics I offered earlier on autoimmunity, obesity, etc. indicate, America and the modern world in general are facing a health crisis. Is the answer to do what we’ve been doing, only more thoroughly? The response so far to Covid has been to double down on the orthodoxy and sweep unconventional practices and dissenting viewpoints aside. Another response would be to widen our lens and examine the entire system, including who pays for it, how access is granted, and how research is funded, but also expanding out to include marginal fields like herbal medicine, functional medicine, and energy medicine. Perhaps we can take this opportunity to reevaluate prevailing theories of illness, health, and the body. Yes, let’s protect the sickened fish as best we can right now, but maybe next time we won’t have to isolate and drug so many fish, if we can clean the tank.

I’m not telling you to run out right now and buy NAC or any other supplement, nor that we as a society should abruptly shift our response, cease social distancing immediately, and start taking supplements instead. But we can use the break in normal, this pause at a crossroads, to consciously choose what path we shall follow moving forward: what kind of healthcare system, what paradigm of health, what kind of society. This reevaluation is already happening, as ideas like universal free healthcare in the USA gain new momentum. And that path leads to forks as well. What kind of healthcare will be universalized? Will it be merely available to all, or mandatory for all – each citizen a patient, perhaps with an invisible ink barcode tattoo certifying one is up to date on all compulsory vaccines and check-ups. Then you can go to school, board a plane, or enter a restaurant. This is one path to the future that is available to us.

Another option is available now too. Instead of doubling down on control, we could finally embrace the holistic paradigms and practices that have been waiting on the margins, waiting for the center to dissolve so that, in our humbled state, we can bring them into the center and build a new system around them.

The Coronation

There is an alternative to the paradise of perfect control that our civilization has so long pursued, and that recedes as fast as our progress, like a mirage on the horizon. Yes, we can proceed as before down the path toward greater insulation, isolation, domination, and separation. We can normalize heightened levels of separation and control, believe that they are necessary to keep us safe, and accept a world in which we are afraid to be near each other. Or we can take advantage of this pause, this break in normal, to turn onto a path of reunion, of holism, of the restoring of lost connections, of the repair of community and the rejoining of the web of life.

Do we double down on protecting the separate self, or do we accept the invitation into a world where all of us are in this together? It isn’t just in medicine we encounter this question: it visits us politically, economically, and in our personal lives as well. Take for example the issue of hoarding, which embodies the idea, “There won’t be enough for everyone, so I am going to make sure there is enough for me.” Another response might be, “Some don’t have enough, so I will share what I have with them.” Are we to be survivalists or helpers? What is life for?

On a larger scale, people are asking questions that have until now lurked on activist margins. What should we do about the homeless? What should we do about the people in prisons? In Third World slums? What should we do about the unemployed? What about all the hotel maids, the Uber drivers, the plumbers and janitors and bus drivers and cashiers who cannot work from home? And so now, finally, ideas like student debt relief and universal basic income are blossoming. “How do we protect those susceptible to Covid?” invites us into “How do we care for vulnerable people in general?”

That is the impulse that stirs in us, regardless of the superficialities of our opinions about Covid’s severity, origin, or best policy to address it. It is saying, let’s get serious about taking care of each other. Let’s remember how precious we all are and how precious life is. Let’s take inventory of our civilization, strip it down to its studs, and see if we can build one more beautiful.

As Covid stirs our compassion, more and more of us realize that we don’t want to go back to a normal so sorely lacking it. We have the opportunity now to forge a new, more compassionate normal.

Hopeful signs abound that this is happening. The United States government, which has long seemed the captive of heartless corporate interests, has unleashed hundreds of billions of dollars in direct payments to families. Donald Trump, not known as a paragon of compassion, has put a moratorium on foreclosures and evictions. Certainly one can take a cynical view of both these developments; nonetheless, they embody the principle of caring for the vulnerable.

From all over the world we hear stories of solidarity and healing. One friend described sending $100 each to ten strangers who were in dire need. My son, who until a few days ago worked at Dunkin’ Donuts, said people were tipping at five times the normal rate – and these are working class people, many of them Hispanic truck drivers, who are economically insecure themselves. Doctors, nurses, and “essential workers” in other professions risk their lives to serve the public. Here are some more examples of the love and kindness eruption, courtesy of ServiceSpace:

Perhaps we’re in the middle of living into that new story. Imagine Italian airforce using Pavoratti, Spanish military doing acts of service, and street police playing guitars — to *inspire*. Corporations giving unexpected wage hikes. Canadians starting “Kindness Mongering.” Six year old in Australia adorably gifting her tooth fairy money, an 8th grader in Japan making 612 masks, and college kids everywhere buying groceries for elders. Cuba sending an army in “white robes” (doctors) to help Italy. A landlord allowing tenants to stay without rent, an Irish priest’s poem going viral, disabled activitists producing hand sanitizer. Imagine. Sometimes a crisis mirrors our deepest impulse — that we can always respond with compassion.

As Rebecca Solnit describes in her marvelous book, A Paradise Built in Hell, disaster often liberates solidarity. A more beautiful world shimmers just beneath the surface, bobbing up whenever the systems that hold it underwater loosen their grip.

For a long time we, as a collective, have stood helpless in the face of an ever-sickening society. Whether it is declining health, decaying infrastructure, depression, suicide, addiction, ecological degradation, or concentration of wealth, the symptoms of civilizational malaise in the developed world are plain to see, but we have been stuck in the systems and patterns that cause them. Now, Covid has gifted us a reset.

A million forking paths lie before us. Universal basic income could mean an end to economic insecurity and the flowering of creativity as millions are freed from the work that Covid has shown us is less necessary than we thought. Or it could mean, with the decimation of small businesses, dependency on the state for a stipend that comes with strict conditions. The crisis could usher in totalitarianism or solidarity; medical martial law or a holistic renaissance; greater fear of the microbial world, or greater resiliency in participation in it; permanent norms of social distancing, or a renewed desire to come together.

What can guide us, as individuals and as a society, as we walk the garden of forking paths? At each junction, we can be aware of what we follow: fear or love, self-preservation or generosity. Shall we live in fear and build a society based on it? Shall we live to preserve our separate selves? Shall we use the crisis as a weapon against our political enemies? These are not all-or-nothing questions, all fear or all love. It is that a next step into love lies before us. It feels daring, but not reckless. It treasures life, while accepting death. And it trusts that with each step, the next will become visible.

Please don’t think that choosing love over fear can be accomplished solely through an act of will, and that fear too can be conquered like a virus. The virus we face here is fear, whether it is fear of Covid-19, or fear of the totalitarian response to it, and this virus too has its terrain. Fear, along with addiction, depression, and a host of physical ills, flourishes in a terrain of separation and trauma: inherited trauma, childhood trauma, violence, war, abuse, neglect, shame, punishment, poverty, and the muted, normalized trauma that affects nearly everyone who lives in a monetized economy, undergoes modern schooling, or lives without community or connection to place. This terrain can be changed, by trauma healing on a personal level, by systemic change toward a more compassionate society, and by transforming the basic narrative of separation: the separate self in a world of other, me separate from you, humanity separate from nature. To be alone is a primal fear, and modern society has rendered us more and more alone. But the time of Reunion is here. Every act of compassion, kindness, courage, or generosity heals us from the story of separation, because it assures both actor and witness that we are in this together.

I will conclude by invoking one more dimension of the relationship between humans and viruses. Viruses are integral to evolution, not just of humans but of all eukaryotes. Viruses can transfer DNA from organism to organism, sometimes inserting it into the germline (where it becomes heritable). Known as horizontal gene transfer, this is a primary mechanism of evolution, allowing life to evolve together much faster than is possible through random mutation. As Lynn Margulis once put it, we are our viruses.

And now let me venture into speculative territory. Perhaps the great diseases of civilization have quickened our biological and cultural evolution, bestowing key genetic information and offering both individual and collective initiation. Could the current pandemic be just that? Novel RNA codes are spreading from human to human, imbuing us with new genetic information; at the same time, we are receiving other, esoteric, “codes” that ride the back of the biological ones, disrupting our narratives and systems in the same way that an illness disrupts bodily physiology. The phenomenon follows the template of initiation: separation from normality, followed by a dilemma, breakdown, or ordeal, followed (if it is to be complete) by reintegration and celebration.

Now the question arises: Initiation into what? What is the specific nature and purpose of this initiation?The popular name for the pandemic offers a clue: coronavirus. A corona is a crown. “Novel coronavirus pandemic” means “a new coronation for all.”

Already we can feel the power of who we might become. A true sovereign does not run in fear from life or from death. A true sovereign does not dominate and conquer (that is a shadow archetype, the Tyrant). The true sovereign serves the people, serves life, and respects the sovereignty of all people. The coronation marks the emergence of the unconscious into consciousness, the crystallization of chaos into order, the transcendence of compulsion into choice. We become the rulers of that which had ruled us. The New World Order that the conspiracy theorists fear is a shadow of the glorious possibility available to sovereign beings. No longer the vassals of fear, we can bring order to the kingdom and build an intentional society on the love already shining through the cracks of the world of separation.


Stefan Selke

Created with Sketch.

Corona als Meteroriten Einschlag des Denkens

Wenn Corona Krise bedeutet, was war dann Normalität? Trotz Überraschungsekstase zwingt uns der Virus zu immer neuen Entscheidungen im Leben zwischen Zeitgeschenk und Panikattacke. Die globale Pandemie verstärkt nicht nur den Charakter von Politikern und Institutionen. Vielmehr hilft sie, längst überfällige Fragen zu stellen. Jenseits angestrengter Kampfansagen an den unsichtbaren Feind ist Corona ein dringend benötigter Katalysator für Denken und Handeln. 

 

Noch vor Kurzem konnte der US-amerikanische Präsident Donald Trump frech von einem „ausländischen Virus“ sprechen. Seine protektionistische Situationsdefinition hatte nicht lange Bestand. Im Rosengarten des Weißen Hauses verkündete er den Notstand und räumte ein, dass die Covid-19-Pandemie ein Problem ist, das durch Grenzschließungen nicht aus der Welt zu schaffen ist. „Selbst wenn ihr die Grenzen vor den zweibeinigen Flüchtlingen dicht macht“, schreibt Bruno Latour in seinem Terrestrischen Manifest, „die anderen werdet ihr nicht aufhalten können.“ Aus heutiger Sicht wirken diese Worte fast prophetisch.

Wir verstehen die Welt nicht mehr. Was passiert gerade mit unserer Gesellschaft? Immer mehr gleicht sie einem Laborexperiment mit uns als Probanden. Aber bereits 1990 sprach Ulrich Beck von der „Praxis als Labor“und sah die Herausforderung durch unkontrollierbare „Freiland- und Menschheitsexperimente“. Die Idee einer Gesellschaft als offenes Laborist jetzt das passende Bild, um die tägliche „Lage“ besser einzuordnen. 

Gesellschaften sind Problemtauschagenturen: Trotz aller Grenzschließungen wird das Problem Corona in einem grenzenlosenExperiment zwischen widersprüchlichen gesellschaftlichen und geopolitischen Interessen hin- und her übersetzt. C. Wright Mills erkannte schon in den 1960er Jahren eine Verbindung zwischen „private troubles“ und „public issues“. Mehr denn je sollten wir die Wechselwirkungen zwischen persönlichem Umfeld und planetarischem Maßstab durch zoomendes Denkenin den Blick nehmen. Auch wenn viele sich danach sehnen, wird dabei am Ende jedoch keine einheitliche oder standardisierte Situationsdefinition herauskommen. Die Normalität, zu der wir zurückwollen, gibt es inzwischen nicht mehr. Das klingt nach Kontrollverlust und ist dennoch genau das Gegenteil. Es gibt eine Traditionslinie, in die sich das aktuelle Geschehen einordnen lässt.

Weltraumspaziergänge

Der sowjetische Kosmonaut Alexej Leonow wurde 1965 als erster „Weltraumspaziergänger“ berühmt. Nur an einer dünnen Leine gesichert, stieg er aus seiner Voskhod-Kapsel aus und schwebte schwerelos im All. Leonow war ein Witzbold. In seinem ersten Funkspruch, betonte er, dass die Erde absolut rund sei. „Du kannst es kaum fassen“, jubilierte er 500 Kilometer über dem Erdboden, „nur hier draußen können wir die Erhabenheit spüren von allem, was uns umgibt.“ Zehn Jahre später war Leonow nochmals an Bord einer Sojus-19-Kapsel im All, die an ein amerikanisches Apollo-Raumschiff ankoppelte. Es war der erste Versuch der Raumfahrt über alle Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten. „Zwischen Astronauten haben niemals Grenzen existiert“, erinnert sich Leonow. „Der Tag, an dem auch Politiker dies begreifen, wird unseren Planeten für immer verändern.“ Ähnlich wird es später ein amerikanischer Kollege fassen. „Wir beten, dass die gesamte Menschheit sich eine grenzenlose Welt vorstellen kann“, so William McCool, Pilot der Space Shuttle Mission STS-107, nachdem er und seine Crew am 29. Januar 2003 mit John Lennons Lied Imagine geweckt worden waren. Und der arabische Astronaut Prinz Sultan Bin Salman al-Saud erinnert sich an Erlebnisse jenseits aller Beschreibungsmöglichkeiten. „Von hier oben sehen alle Schwierigkeiten, nicht nur die im Nahen Osten, seltsam aus, weil die Grenzlinien einfach verschwinden.“ Er berichtet, wie die Astronauten am ersten Tag im All noch auf ihre Länder zeigten, dann auf die Kontinente und nach ein paar Tagen nur noch auf den Planeten Erde.

Mit der Raumfähre Space Shuttle konnten erstmals auch weniger trainierte Politiker ins All fliegen und sich davon überzeugen, dass alles mit allem zusammenhängt. „Man kommt mit großer Sicherheit zu der Einsicht, dass es dort unten nicht wirklich politische Grenzen gibt“, erinnert sich der republikanische Senator Edwin Garn aus Utah nach seinem Raumflug. „Man sieht den Planeten plötzlich als ‚eine Welt’ an.“ Und der demokratische Kongressabgeordnete Bill Nelson aus Florida schlug vor, dass sich die Führer der Supermächte doch im Weltall treffen sollten. „Es hätte einen positiven Effekt auf ihre Entscheidungsfindung.“ Das wäre dann ein Gipfeltreffen, das den Namen auch wirklich verdiente. 

Viele Astronauten entwickelten eine Vorliebe für „Earthgazing“, das tägliche Ritual, so lange wie möglich aus dem Fenster ihres Raumschiffs auf die Erde zu schauen. Der Skylab-Astronaut Ed Gibson klagte darüber, dass jeder Versuch, das Besondere zu teilen, sich wie ein Tropfen Farbe in einem Ozean“ verteilen würde. Leider gab es bislang keinen Antoine St. Exupéry im All, der die Intensität des Erlebten in angemessene Worte kleidet. Der Apollo-11-Astronaut Michael Collins merkte einst sogar an, dass die beste Mannschaft für eine Mission aus „einem Philosophen, einem Priester und einem Poeten“ bestehen würde. „Unglücklicherweise“, so fügte er hinzu, „hätten sie sich beim Versuch, das Raumschiff zu fliegen selbst umgebracht.“ 

Overvieweffekt

Doch auch ohne Priester oder Poeten konnten wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, die sich nach und nach auch auf der Erde verbreiteten. Diese Flaschenpost an die Menschheit wurde unter dem Namen Overview-Effekt bekannt. Im Kern bedeutet der Effekt eine starke und andauernde kognitive Verschiebung des Bewusstseins als Folge einer transformierenden Primärerfahrung. Der Overview-Effekt resultiert aus der Wechselwirkung zwischen äußerer Erfahrung und inneren Wandlung. Er verhindert, sich nicht mehr egoistisch nur mit sich selbst zu beschäftigen, sondern sich als Teil eines größeren System zu erkennen. Die Intensität rührt daher, dass zeitgleich die Schönheit des Planeten und die Schicksalshaftigkeit menschlichen Lebens auf dessen Oberfläche wahrgenommen werden. Kurz: Der Overview-Effekt ist eine Art Meteoriteneinschlag ins Gehirn. 

Also genau das, was wir gegenwärtig täglich erleben. 

„Ich habe eine Welt gesehen, die so neu und unbekannt war. Ich habe versucht, alles zu sehen und mir alles zu merken,“ berichtete Yuri Gagarin, der erste Mensch, der die Gravitation überwand. Gagarin fühlte sich geehrt, als Individuum die Menschheit repräsentieren zu dürfen. Menschheit klingt tröstlich. Aber ist die Rede von der Menschheit angesichts von Corona überhaupt noch angemessen? „Die Menschheit“ ist ein historisch junges Konzept, dessen Grundgedanke darin besteht, sich die Welt als Einheit, als Ganzes vorzustellen, das gemeinsam Möglichkeiten aber auch Grenzen bestimmt. Gerade weil alle Kulturen und Religionen bislang eher daran arbeiteten, Unterschiede und Trennlinien aufrechtzuerhalten, werden wir nur dann überleben, wenn wir annähernd geteilte Werte oder Zukunftsvorstellungen entwickeln.

Die gute Nachricht: Der Overview-Effekt zieht positive Veränderungen nach sich. Der Blick aus dem All erzeugte Mitleid mit dem Planeten, ein profundes Verständnis der großen Zusammenhänge des Lebens sowie das Gefühl der Verantwortung für die irdische Umwelt. Diese Tugenden benötigen wir dringender denn je.Alle, die bislang einen Overview-Effekt erlebten, berichteten übereinstimmend von massiv gesteigerter Empathiefähigkeit. „Ich konnte den Status quo des Planeten nicht mehr länger akzeptieren“, so der Astronaut Ron Garan. „Wir leben in einer Welt unbeschränkter Möglichkeiten. Es liegt in unserer Macht, so vieles zu verändern. Und doch haben wir es bislang nicht getan.“ 

Der Overview-Effekt ist mitnichten nur für Weltraumenthusiasten von Interesse, sondern für alle, die an echte Zukunftsinvestitionen interessiert sind. Wer die Flaschenpost aus dem All öffnet und sich von der darin enthaltenen Botschaft berühren lässt, entdeckt die Poesie der Hoffnung. 

Auf diesen Proviant sind wir gegenwärtig angewiesen. 

Zwar ist es nie zu spät Astronaut zu werden, doch die Botschaft der Flaschenpost kann eigentlich überall empfangen werden. Grundvoraussetzung ist allein eine distanzierte Perspektive auf uns selbst. Einer der ersten, der sich das vorstellen konnte war Fred Holye. „Sobald es eine Fotografie der Erde, aufgenommen von außerhalb, gibt – sobald die völlige Isolation der Erde bekannt wird“, schrieb der hellsichtige britische Astronom 1948, „wird sich eine neue Idee, so mächtig wie keine andere in der Geschichte, Bahn brechen.“ Und genau so war es. Die Apollo 8-Mission brachte von ihrer Reise das berühmte Earth-Rise-Foto als Kronjuwel der Menschheit mit. „Eines der wichtigsten Ergebnisse von Apollo war das Bild der Erdkugel“, resümiert der Weltraumkünstler Arthur Woods. „Es war das erste Mal, das wir unseren Planeten aus der Weltraumperspektive vor der Schwärze des Universums sahen. Was die Erde aus der Weltraumperspektive gesehen besonders schön macht, ist die Tatsache, dass wir Leben sehen.“ Mit einem einzigen Foto wurde der bekannte Horizont der Menschheit gesprengt. Die Astronauten der Appollo-8-Mission waren die letzten echten Irritationsagenten der Menschheit. Nur sie konnten einen ganzheitlichen Blick auf die Erde werfen. 

Dieser Blick fehlt uns gerade sehr.

Im Kern sind wir trotz Fernreisen, Massentourismus und Google Maps provinzielle Dörfler geblieben. Nun gibt uns die Corona-Pandemie Nachhilfeunterricht. Der Overview-Effekt braucht als Testgebiet nicht unbedingt das Weltall, Erkenntnisbeschleuniger kann tatsächlich fast alles sein und tritt in vielen Verkleidungen auf: Beim Fliegen, als Gipfelerlebnis beim Bergsteigen, als Bewusstseinserweiterung durch Drogenkonsum oder als spirituelle Erfahrung. Oder im Kontext banaler Alltagserfahrungen. Die Politikerin und Rollstuhlfahrerin Kristina Vogel berichtet davon, was die Überwindung von Bordsteinkanten alles bewirken kann. „In solchen Dingen sieht man die Dinge in größeren Zusammenhängen“, so Vogel. „Deshalb träume ich davon, in einer Welt zu leben, in der jeder nicht nur an sich selbst denkt.“

Gegenwärtig zwingt uns ein unsichtbarer Virus zu einer neuen Perspektive auf unsere Welt. Corona hat den Overview-Effekt im planetarischen Maßstab demokratisiert.In der irdischen Variante könnte uns deshalb die neu gewonnene ganzheitliche Perspektive auch den Weg aus der Krise weisen und notwendigen Treibstoff für soziale Transformationen und progressive Veränderungen liefern. Corona wäre dann im Idealfall eine Art philosophischer Katalysator. In seiner mundanen Variante würde der Overview-Effekt helfen,Denk- und Handlungsblockaden aufzulösen, die uns viel zu lange gelähmt haben. In kürzester Zeit werden gegenwärtig Einsichten gewonnen, für die sonst lange Zeiträume notwendig waren. Corona kann als kognitiver Fast-Track verstanden werden, als epistemologische Überholspur im Alltagslabor der Menschheit. Josef Beuys sähe darin vielleicht sogar eine Soziale Plastik, die Bewusstsein schafft, ein elementares tiefes Gefühl der „Auferstehung aus einer Zerstörtheit“. Denn eine Soziale Plastik ist ja nichts anderes als das kollektive Durchleben eines Zerstörungs- und Heilungsprozesses. Stabilität mag das Ziel unserer Gesellschaft sein, aber Instabilität ist nun einmal das zentrale Merkmal der Gegenwart. Der Corona-Effekt macht deutlich, wie die Vollkasko-Mentalität, die lange Zeit die unhinterfragte Grundlage vieler Existenzen war, nun von einem seuchenpolitischen Imperativ abgelöst wird: Zusammenarbeiten! Zusammenhalten! Bloß nicht streiten!

Monster des Bodenlosen 

Wenn Corona Krise bedeutet, was war dann Normalität? In diesem Zusammenhang erinnern wir uns an die berühmt gewordene Aussage von Margaret Thatcher, die die Existenz der Gesellschaft bzw. des Sozialen radikal bezweifelte: „Who is society? There is no such thing!” Thatcher hob darauf ab, dass es nurindividuelle Männer und Frauen und einzelne Familien gibt. „Und keine Regierung kann etwas tun, wenn nicht durch die Menschen und diese sorgen sich immer zuerst um sich selbst.“ Diese Haltung züchtete das Monster des Bodenlosen heran, das uns nun alle erschreckt. Wir alle sind von seinen Drohgebärden – soziale Desintegration, planetarische Zerstörung, globale Ungleichheiten und individuelle Erschöpfung – mehr oder weniger eingeschüchtert. Das Monster beutet uns immer perfider aus. Es erzeugt nicht nur Unordnung, Angst und Neurosen. Es führt auch zum vollständigen Verlust des gesellschaftlichen Gravitationszentrums. Dieser neoliberale Kreuzzug rächt sich jetzt, wenn nach einer jahrzehntelangen sozialen Kälteperiode plötzlich umfassende Solidarität gefordert wird. Solidarität war bisher eher hinderlich. Erst wurden Menschen gezwungen, sich um sich selbst zu kümmern, plötzlich sollen sie sich wieder solidarisch verhalten. 

Bereits zu Beginn der Krise, in der Phase informierter Ignoranz, tauchten erste Solidaritätsforderungen auf. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel rief in ihrer Ansprache an das Volk zu mehr Herz, Verstand und Solidarität auf. Aber reicht es, für Ältere einzukaufen, um sich selbst solidarisch zu nennen? Oder aus Not zwei Patienten an ein Beatmungsgerät anzuschließen? Als Italien Mitte März den Ausnahmezustand verschärfte, wurde Solidarität geradezu ideologisch verklärt. „Die Opfer von heute sind nötig, um gestärkt wieder durchstarten zu können“, behauptete der Regierungschef der Lombardei, Attilio Fontana. Was soll das bedeuten? Menschen, dem Leben entrissen, dem Tod als Opfergabe vor die Füße geworfen? Die Toten auf Eis legen? In den USA werden Hinrichtungen mit dem Verweis auf die Ansteckungsgefahr verschoben. Europa schließt seine Grenzen, an denen Menschen fast ungesehen leiden und hilflos sterben. Wenn die Forderung nach Solidarität zu Politikersatz oder zur Forderung nach Opferbereitschaft verkommt, dann wird der Begriff ideologisch überbelichtet.

Das ist der erste Schritt auf dem Weg in die Vormoderne. Denn ohne Zweifel gleicht die Traglast unserer Zivilisation einer dünnen Eisdecke.

Was denken wohl gerade die sechs Besatzungsmitglieder an Bord der internationalen Raumfahrtstation ISS, wenn sie das Geschehen auf ihrem Heimatplaneten aus der Distanz beobachten? Wir jedenfalls sollten den irdischen Overview-Effekt durch Corona als Geschenk begreifen. Als Beispiel für die allgegenwärtige Entgrenzung des Lebens und den damit verbundenen Folgen. Diese Haltung hilft, nach der Krise eine bessere Welt zu erschaffen. Statt inszenierter Solidarität braucht es utopische Momente. 

Bislang nahm jede soziale Utopie zwangsläufig erschöpfte Gesellschafts- und Zivilisationsformen zum Ausgangspunkt. Im offenen Labor der Menschheit geht es nun wieder um soziale, kulturelle ökonomische und ethische Grenzüberschreitungen. Kurz: Wir brauchen wieder Utopien!

Sehnsucht nach Utopien

Eine Utopie ist Widerstand gegen Informationen. Ihre primäre Funktion besteht darin, die Zustände zu kritisieren. Das gelingt, indem der Realität eine ideale Welt gegenübergestellt wird. Deswegen werden Utopien auch Gegenentwürfe genannt. Utopien enthalten immer zwei Elemente – Kritik und Transformation, Ablehnung einer Gesellschaftsordnung und einen Impuls zu deren Überwindung. Utopien lassen die Welt in der Schwebe. Sie sind keine technokratischen Handlungsanweisungen, sondern Werkzeuge, die helfen, die Gegenwart besser zu verstehen, uns wieder sprachfähig zu machen und die richtigen Fragen zu stellen. 

Etwas, das noch nicht existiert, kann gleichwohl schon da sein. „Jede Entdeckungsreise, jede Kolonisation, jede Auswanderungswelle setzte den stillschweigenden Glauben an ein zukünftiges gelobtes Land voraus“, so der argentinische Universalgelehrte Alberto Manguel. Weil das noch immer gilt, sind Utopien Baustellen der Menschheit, hypothetische Handlungsfelder auf dem Weg zu einer besseren Zivilisation.

Leider stellen Utopien eine Herausforderung für das Mittelmaß dar. Sie zwingen dazu, über das Jammern an der Klagemauer der Unzulänglichkeiten hinauszugehen. Stattdessen legen sie den Grundstein für Experimente, die Prozessen der Entzivilisierung entgegenwirken. Experimente mögen nicht immer eindeutige Ergebnisse liefern, aber sie verhindern unkoordinierte Aktivitätszuckungen und voluntaristische Eingriffe in den Kurs der Welt. 

Wie es scheint, sind uns Dystopien vertrauter als Utopien.Gepflegte Dystopien sind zum Spielfeld Intellektueller und Schriftsteller geworden. In Schöne neue Welt von Aldous Huxley erklärt John Savage, der Hauptprotagonist, wie Menschen in unterschiedliche Produktionsklassen eingeteilt werden. „Doch alle sind wir nützlich!“ singen die Menschen in dieser idealen Welt. Wer nicht mehr nützlich ist, endet in der „Lethalkammer“. Das ist bis heute der Umriss aller Dystopien. Und leider recht nah an der Wirklichkeit. 

Wie wir wissen, ahnen oder befürchten, sind die meisten Utopien bislang gescheitert. Ein Hauptgrund dafür ist ideologische Verkrampfung. Utopien fordern moralisch heraus. „Die Utopie ist eine vollkommene Welt, und die Wirklichkeit gewordene Vollkommenheit duldet keine Diskussion, keinen Kompromiss, keinen Vergleich mit der Unvollkommenheit“, so der Kulturhistoriker Georges Minois. „Ihre Anwendung muss vollständig und intolerant sein.“

Hinzu kommt, dass politisches Engagement in modernen Gesellschaften eher fragmentiert und feldbezogen stattfindet – es gibt keinen Brennpunkt mehr. Aber Utopien sind gerade dadurch gekennzeichnet, das sie das große Ganze, das Zusammenspiel aller gesellschaftlichen Teilsysteme in den Blick nehmen. Utopisches Denken beginnt dort, wo die Verbindungslinien zwischen den Feldern des Engagements sichtbar gemacht und systematisch weiterentwickelt werden. Utopien entwirft man nicht für sich alleine, sie setzen einen kollektiven Resonanzraum voraus. 

Trotz einer langen Traditionslinie des Scheiterns und den zweifelsohne vorhandenen Gefahren utopischer Rhetorik scheint es heute einen geradezu dringenden Bedarf an neuen utopischen Ansätzen zu geben. Bislang köchelte utopisches Bewusstsein auf kleiner Flamme und eher in Subkulturen. Aber angesichts des Monsters der Bodenlosigkeit kehren Utopien endlich in die Mehrheitsgesellschaft zurück. 

Rückkehr der Utopien 

In der Literatur wurden Utopien oft genug durchgespielt. Im Science-Fiction Roman Weißer Marsvon Aldiss Brian und Roger Penrose wird eine fiktive Explorationsgeschichte erzählt, bei der durch katastrophale Ereignisse rund 6.000 Menschen, Siedler und Wissenschaftler, ohne Rettungsmöglichkeit auf dem Mars stranden. Die einzige Möglichkeit besteht in der Flucht nach vorn, dem Aufbau einer Gesellschaft entlang utopischer Ideale. Die Überlebenden stellen sich die Frage, wie unter der Bedingung von tabula rasa eine grenzenlose utopische Gesellschaft aufgebaut werden kann. 

Jede Utopie hat das Potenzial latent vorhandene Kräfte zu wecken. Utopien besitzen eine Spiegelfunktion, weil sie den Blick zurück auf das Zeitalter, die Kultur und die Gesellschaft lenken, in der sie entstehen. Der Mehrwert von Utopien liegt also gerade darin, die notwendige Selbstbeobachtungs- und Selbstregulationsfähigkeit von Gesellschaften zu unterstützen. Um Zukunft zu entwerfen, braucht es allerdings eine realistische Bestandsaufnahme und die Fähigkeit, die Vielfalt der Optionen zu erkennen. Wissenschaftler nennen das „Kontingenzbewusstsein“. In anderen Worten: Die Zukunft sollte nicht denen vorbehalten bleiben, die unfähig sind, in der Gegenwart klar zu sehen.

Utopiemüdigkeit

Bislang verschleierte Utopiemüdigkeit die klare Sicht nach vorn. „Die Zukunft ist tot“, behauptet der Historiker Timothy Snyder. „Seit der Französischen Revolution hatte es immer eine Zukunft gegeben. Ohne den Glauben an eine Zukunft kann Demokratie nicht existieren. Die Menschen müssen das Gefühl haben, dass sie mit ihren Entscheidungen die Zukunft beeinflussen können.“ Wenn der politische Pragmatismus, also das „Fahren auf Sicht“ nicht nur langweilig, sondern auch erfolglos wird, kommt die Zeit, wieder über das große Ganze nachzudenken. Gesellschaft ist kein gebrauchtes Fahrrad, das nur gepflegt werden muss. Wenn sich Politik in Schönheitsreparaturen erschöpft, dann kommt die Zeit für echte Veränderungen. Tatsächlich erleben wir überall – in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft – ein ähnliches Muster: Es gibt Kritik an den Zuständen, aber keine positiven Wunschformulierungen. Anstatt in utopisches Kapital zu investieren, werden affirmative Standardwelten reproduziert. Doch die Verdopplung des Bestehenden ist keineswegs das Neue. Wer aber wirklich etwas verändern möchte, sollte aus der Zukunft zurück denken.

Wenn Corona Krise bedeutet, was war dann Normalität? Vielleicht können wir Dank des Overview-Effekts die Corona-Krise auch als kollektiven Versuch begreifen, wieder reale utopische Orte zu schaffen. Das wäre dann nichts anders, als „das Richtige im Falschen“ zu tun, um den berühmten Aphorismus Theodor Adornos umzupolen, der sich bezeichnenderweise im Kapitel Asyl für Obdachloseseiner Minima Moralia findet. Untertitel: Reflexionen aus dem beschädigtem Leben. 

Was wir gegenwärtig erleben ist keine Krise. Eine Krise geht vorüber. Wir aber mutieren in eine andere Zukunft. „Wir hatten uns an eine Welt gewöhnt“, so nochmals Bruno Latour, „wir gehen in eine andere über.“ Mutation bedeutet, dass sich unsere Beziehung zur Welt tiefgreifend verändert. Mutation bedeutet grundlegenden Zivilisationswandel, der aktiv im Sinne eines Transformationsdesignsgestaltet werden sollte. Auf diesem Weg dürfen wir nicht enttäuscht sein, wenn Idealistisches nicht gelingt. Stattdessen sollten wir lernen, unsere Ideale genauer definieren. Erst, wenn wir alle in einen utopischen Gesellschaftsvertrag einwilligen, der die Regeln für eine universelle conditio humana, beinhaltet, sind wir auf dem richtigen Weg zum triumphierenden Weltbürgertum. Dann kann jede Krise gemeistert werden. 

Zukunft mit Beipackzettel

Zivilisationswandel braucht eine Zukunft mit Beipackzettel. Der Beipackzettel erklärt, was wir tun sollen, auch und weil wir ja bereits so viel wissen. Akkumuliertes Wissen und gesteigerte Sensibilitäten führen leider nicht zwangsläufig zu neuen Lebensweisen, denn es gibt eine Kluft zwischen Einstellung und Verhalten. 

Der Beipackzettel für die Zukunft beinhaltet auch den produktiven Umgang mit Konflikten. Konflikte treiben Fortschritt voran, zwingen zur Diskussion und korrigieren Fehlentwicklungen. Eine Gesellschaft, in der alles im Gleichgewicht zu schweben scheint, ist eine statische, tote Gesellschaft. Vor allem aber ist Kooperation statt Konkurrenz die Grundsubstanz für den Wandel - Grundlage einer gerechten Gesellschaft ist gegenseitige Unterstützung. Irgendwo im Leben von Individuen muss etwas existieren, das die Rettung ganzer Gemeinschaften bewirken kann, sonst ist das Experiment Gesellschaft zum Scheitern verurteilt. Das Ego des Einzelnen muss sich den Bedürfnissen der menschlichen Gemeinschaft unterordnen. Doch trotz zahlreicher Manifeste zur Rettung der Welt, trotz Leitbildern, Präambeln, Gesetzestexten und vielen klugen Büchern, entstand bislang insgesamt keine bessere Welt. Fehlende Langfristorientierung, Verlustaversion, liebgewonnene Gewohnheiten, das Einrichten in der Komfortzone, Pfadabhängigkeiten in Politik und Wirtschaft – das alles sind Gründe für die hemmende Utopiemüdigkeit.

Dennoch besteht Hoffnung. Sehnsucht brennt von innen her. Die neuseeländische Schriftstellerin Keri Hulme umschreibt in ihrem Roman Unter dem Tagmond eine Ästhetik des Eingreifens. Wir sind, für uns selbst, nichts Anderes als einzelne Menschen, so Hulme, zusammen aber, sind wir „Herz, Muskel und Geist von etwas Gefährlichem und Neuen“, alle zusammen sind wir „Werkzeuge der Veränderung“. 

Ein schöner Gedanke, auch wenn Zweifel bleiben. 

Was, wenn wir keine Werkzeuge der Veränderung sind, sondern ein kollektives „enfant terrible“, das gerade dabei ist, den Planeten zugrunde zu richten? Oder wir uns dem Menschenbild annähern, das bereits in Gullivers Reisen von Jonathan Swift (1762) beschrieben wird, wenn Menschen als „die schädlichste Art von kleinen scheußlichen Ungeziefern“ beschrieben werden?

Eine große Herausforderung liegt im Moment darin, die Gleichzeitigkeit zwischen allergrößten Sorgen und banalstem Alltag produktiv zu gestalten. Tom Jefferies, der Anführer der Utopisten auf dem Mars fasst im Roman Weißer Mars seine Sehnsucht nach einer besseren Welt in markante Worte: „Ich werde eine morsche Tür eintreten. Ich werde Licht für die Gesellschaft hereinlassen. Ich werde dafür sorgen, dass wir das, was wir in unseren Träumen gern sein möchten, auch ausleben: dass wir große und weise Menschen werden – umsichtig, wagemutig, erfindungsreich, liebevoll, gerecht. Menschen, die diesen Namen auch verdienen. Dazu müssen wir nur wagen, das Alte und Schwierige abzuwerfen und das Neue, Schwierige und Wunderbare willkommen zu heißen.“ Utopien sind geöffnete Türen in Richtung Zukunft. 

Im Innersten unserer wertvollen Existenzen verändert sich gerade alles. Wir sind dabei, die Welt umzukleiden. Wenn dabei ein paar althergebrachte Grenzen und Gewissheiten eingerissen werden, wäre es nicht wirklich schade darum. Weil die Evidenz der Bedrohung nicht automatisch bessere Menschen aus uns allen macht, müssen wir uns schon jetzt darauf vorbereiten wieder utopische Politik zu betreiben. Denn jeder Tag ist ein Versprechen an das kommende Leben.Wenn das universelle Empfinden darin besteht, dass uns der Boden unter den Füßen weggezogen wird, dann braucht es gerade jetzt Utopien als Haltegriffe.

White Eagle, Hopi Indianer

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„Dieser Moment, den die Menschheit gerade erlebt, kann als Pforte oder Loch betrachtet werden.
Die Entscheidung, ins Loch zu fallen oder durch die Pforte zu schreiten, liegt an Euch.
Wenn Ihr das Problem bedauert und rund um die Uhr Nachrichten konsumiert,
mit negativer Energie, dauernd nervös, mit Pessimismus, werdet Ihr in dieses Loch fallen.
Aber wenn Ihr die Gelegenheit ergreift, Euch selbst zu betrachten, Leben und Tod zu überdenken, für Euch und andere Sorge tragt, dann werdet Ihr durch das Portal gehen. Sorgt für Euer Zuhause, sorgt für Eure Körper. Verbindet Euch mit Eurer spirituellen Heimat.
Wenn Ihr Euch um Euch selbst kümmert, kümmert Ihr Euch gleichzeitig um alle anderen. Unterschätzt nicht die spirituelle Dimension dieser Krise.
Nehmt die Perspektive eines Adlers ein, der von oben das Ganze sieht- mit erweitertem Blick.
Es liegt eine soziale Forderung in dieser Krise, aber genauso eine spirituelle. Beide gehen Hand in Hand.
Ohne die soziale Dimension fallen wir in Fanatismus. Aber ohne die spirituelle Dimension fallen wir in Pessimismus und Sinnlosigkeit.
Sie sind vorbereitet, um durch diese Krise zu gehen.
Nimm deinen Werkzeugkasten und verwende alle Werkzeuge, die Dir zu Verfügung stehen.
Lerne Widerstand am Vorbild indianischer und afrikanischer Völker:
Wir wurden und werden noch immer ausgerottet. Aber wir haben nie aufgehört zu singen, zu tanzen, ein Feuer anzuzünden und Freude zu haben.
Fühle Dich nicht schuldig Glück zu empfinden während dieser schwierigen Zeiten. Es hilft überhaupt nicht, traurig und energielos zu sein.
Es hilft, wenn jetzt gute Dinge aus dem Universum kommen.
IT IS THROUGH JOY THAT ONE RESISTS!
Durch Freude leistet man Widerstand!
Auch wenn der Sturm vorübergezogen ist, wird jeder einzelne von Euch sehr wichtig sein, um diese neue Welt wiederaufzubauen.
Ihr müsst stark und positiv sein.
Und dafür gibt es keinen anderen Weg, als eine schöne, freud- und lichtvolle Schwingung zu bewahren.
Das hat nichts mit Weltfremdheit zu tun. Es ist eine Strategie des Widerstands.
Im Schamanismus gibt es einen Ritus des Übergangs, genannt „ die Suche nach Weitsicht“
Sie verbringen ein paar Tage allein im Wald, ohne Wasser, ohne Nahrung, ohne Schutz.
Wenn sie durch die Pforte gehen, bekommen sie eine neue Sicht auf die Welt, weil sie sich ihrer Ängste, ihrer Schwierigkeiten gestellt haben.
Das ist es, was nun von ihnen verlangt wird:
Erlaube dir, diese Zeit dafür zu nutzen, deine Rituale zum Suchen deiner Visionen auszuführen. Welche Welt möchtest du für dich erschaffen?
Das ist alles, was du momentan tun kannst: Gelassenheit im Sturm. Bleib ruhig, bete täglich. Mach es dir zur Gewohnheit, das Heilige jeden Tag zu treffen. Gute Dinge entstehen daraus. Was jetzt aus dir kommt, ist das allerwichtigste. Und singe, tanze, zeig Widerstand durch Kunst, Freude, Vertrauen und Liebe! Widerstehe!



Matthias Horx

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Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona?

Oder sogar besser?

Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst. Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

eality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.

Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…

Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.

Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlichentstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört. 

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. EsEs kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.

System reset.

Cool down!

Musik auf den Balkonen!

So geht Zukunft.


Brother Richard Hendrick

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Yes there is fear.

Yes there is isolation.
Yes there is panic buying.
Yes there is sickness.
Yes there is even death.
But, they say that in Wuhan after so many years of noise
You can hear the birds again.
They say that after just a few weeks of quiet
The sky is no longer thick with fumes 
But blue and grey and clear.
They say that in the streets of Assisi
People are singing to each other
across the empty squares,
keeping their windows open
so that those who are alone
may hear the sounds of family around them.
They say that a hotel in the West of Ireland
Is offering free meals and delivery to the housebound.
Today a young woman I know
is busy spreading fliers with her number
through the neighbourhood
So that the elders may have someone to call on.
Today Churches, Synagogues, Mosques and Temples
are preparing to welcome
and shelter the homeless, the sick, the weary
All over the world people are slowing down and reflecting
All over the world people are looking at their neighbours in a new way
All over the world people are waking up to a new reality
to how big we really are.
To how little control we really have.
To what really matters.
To Love.
So we pray and we remember that
Yes there is fear.
But there does not have to be hate.
Yes there is isolation.
But there does not have to be loneliness.
Yes there is panic buying.
But there does not have to be meanness.
Yes there is sickness.
But there does not have to be disease of the soul
Yes there is even death.
But there can always be a rebirth of love.
Wake to the choices you make as to how to live now.
Today, breathe.
Listen, behind the factory noises of your panic
The birds are singing again
The sky is clearing,
Spring is coming,
And we are always encompassed by Love.
Open the windows of your soul
And though you may not be able
to touch across the empty square,

Sing


Konstantin Wecker

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Wie wär‘s, wenn wir uns durch diese schmerzvolle Krise zu einem kollektiven Umdenken bewegen lassen?

Meinem Traum, meiner Utopie von einer herrschaftsfreien, liebevollen und solidarischen Welt bin ich vielleicht näher als jemals zuvor.

Meinem Traum von einer Gesellschaft ohne Ausbeuter und neoliberale Profiteure, ohne Waffenhändler, autoritäre Populisten und ohne all die Faschisten, Rassisten, Sexisten, Nationalisten und Kriegstreiber. 

Es reicht – endgültig!

Vielleicht erkennen erst jetzt viele Menschen diese neoliberale Diktatur, der sie jahrzehntelang aufgesessen sind? 

Unsere ach so fürsorglichen Politiker haben über Jahrzehnte die Gesundheitssysteme zum Zwecke maximaler Profite kaputt privatisiert und vor allem haben sie keinen Plan zum Schutz aller Menschen für eine solche Krise vorbereitet; vielleicht einfach, weil sie daran nichts verdient hätten.

Statt nach einem starken Führer zu schreien sollten wir uns selbst an die Hand nehmen und aufpassen, dass wir nicht denen, die sich jetzt als Herren über jedes Gesetz aufspielen, in Zukunft vertrauen.

Für viele Herrschenden ist das, was zurzeit passiert, eben auch eine perfekte Übung für den dauerhaften Ausnahmezustand oder den Weg in eine Diktatur.

Und als alter Anarcho muss ich sagen:

Meine persönliche Freiheit möchte ich mir selbst beschneiden und nicht von einem Herrn Söder oder Kurz oder Macron beschneiden lassen, den ich nie in meinem Leben gewählt hätte. Pfeifen wir auf das Patriarchat!

Ja, um uns gegenseitig zu schützen, haben wir Konzerte, Partys und Versammlungen abgesagt (nicht wegen Söder). Und, wenn wir wieder können, werden wir uns umso kraftvoller wieder auf den Straßen versammeln, das Leben feiern und eine andere Gesellschaft durchsetzen.

Und was passiert eigentlich jetzt mit den Ärmsten, den Schutzsuchenden an den EU-Außengrenzen, den Geflüchteten und den Obdachlosen?.

Bekommen die von den Regierenden jetzt eine totale Eingangssperre?

Für sie sollten wir alle sofort unsere Stimmen erheben

Nein, jetzt müssen alle menschenunwürdigen Lager abgeschafft werden und die Menschen unsere Unterstützung und Solidarität spüren.

Die Washington Post hat jüngst gewarnt, "die Gesellschaft nicht zu erwürgen, während man versucht, sie zu retten“.

Retten wir die Gesellschaft mit Solidarität, Zärtlichkeit, Liebe und Poesie!

Konstantin Wecker